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Topic 060.08

Radar

Radar ist für den Helikopterpiloten in der Schweiz allgegenwärtig: Sobald du in den kontrollierten Luftraum von Zürich, Genf oder Bern einfliegst, wirst du vom Bodenradar erfasst und über den Transponder identifiziert. Im EASA-Theoriefach 060 Navigation behandelt das Topic 060.08 zwei eng verwandte Systeme: das primäre Bodenradar, das Luftfahrzeuge passiv über Reflexion erkennt, und das Sekundärradar (SSR), das aktiv mit dem Transponder an Bord kommuniziert. Für PPL(H)-Schüler ist dieses Wissen doppelt relevant: einerseits in der BAZL-Theorieprüfung, andererseits operativ, weil Mode-S- und Mode-C-Transponder in der Schweiz im kontrollierten Luftraum und über bestimmten Höhen Pflicht sind. Wer versteht, wie Radar funktioniert, wo seine Grenzen liegen und welche Codes (7500, 7600, 7700) global definiert sind, fliegt nicht nur prüfungskonform, sondern auch sicherer im dichten Schweizer Luftraum.

2 Sub-Topics, eingebettet in Navigation. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Bodenradar: Prinzip, Darstellung und Grenzen

Das primäre Bodenradar (PSR – Primary Surveillance Radar) sendet kurze Hochfrequenz-Impulse aus und empfängt die vom Luftfahrzeug reflektierte Echo-Energie. Aus der Laufzeit ergibt sich die Distanz, aus der Antennenrichtung der Azimut. Das Ziel muss nichts an Bord haben – es genügt eine reflektierende Oberfläche. Auf dem Radarschirm erscheint ein "Blip" ohne Identifikation oder Höheninformation. Die Reichweite hängt von Sendeleistung, Antennengewinn, Frequenz, Pulswiederholrate und Wetter ab. Typische Fehlerquellen sind die Krümmung der Erde, Abschattung durch Gelände (im Alpenraum besonders relevant), Wetterechos, Bodenechos (Clutter) und die endliche Strahlbreite, die mit zunehmender Entfernung die laterale Auflösung verschlechtert. Genau deshalb decken Schweizer Bodenradare die tiefen Alpentäler nicht durchgehend ab.

Sekundärradar (SSR) und Transponder

Das Sekundärradar arbeitet kooperativ: Die Bodenstation sendet auf 1030 MHz Abfragen ("Interrogations"), der Transponder im Helikopter antwortet auf 1090 MHz mit einem codierten Datentelegramm. Das Echo ist dadurch viel stärker als beim PSR, gelände-unabhängiger und liefert zusätzlich Identifikation und Höhe. Mode A überträgt den 4-stelligen Squawk-Code (z.B. 7000 als VFR-Standard in Europa). Mode C ergänzt die barometrische Höhe (bezogen auf 1013.25 hPa). Mode S liefert eine eindeutige 24-Bit-Adresse, Rufzeichen und ist Voraussetzung für ACAS/TCAS. Die international reservierten Notfall-Codes – 7500 (unlawful interference), 7600 (Funkausfall) und 7700 (allgemeiner Notfall) – musst du auswendig kennen. Beim Codewechsel niemals 75/76/77 durchscrollen: Stand-by oder direkten Sprung nutzen.

Darstellung und Interpretation am Lotsenschirm

Was der Lotse sieht, ist heute fast immer eine fusionierte Darstellung aus PSR- und SSR-Daten. Der Symbol-Label zeigt Callsign, Flugfläche/Höhe, Groundspeed und Trend. Ohne funktionierenden Transponder bleibt ein Luftfahrzeug ein anonymer Primärblip – im Skyguide-Sektor wird dich ATC dann zur Aktivierung des Transponders auffordern oder die Freigabe verweigern. In der Schweiz ist Mode-S mit Höhenübertragung im kontrollierten Luftraum und allgemein über 7000 ft AMSL bzw. 5000 ft AGL für motorisierte Luftfahrzeuge vorgeschrieben.

Genauigkeit und beeinflussende Faktoren

Die Reichweite eines Radars wächst grundsätzlich mit der vierten Wurzel der Sendeleistung (Radargleichung) und ist durch die Erdkrümmung begrenzt – ein 5000 ft hoch fliegender Heli ist weiter sichtbar als einer im Talboden. Genauigkeit wird durch Antennenrotationsrate, Pulslänge und Strahlbreite bestimmt. SSR ist genauer als PSR in der Identifikation, kann aber unter "Garbling" (überlappende Antworten mehrerer Luftfahrzeuge) und "Fruiting" (unerwünschte Antworten auf fremde Abfragen) leiden – beides löst Mode S durch selektive Abfrage.

Prüfungsrelevanz BAZL

In der BAZL-Theorieprüfung 060 Navigation gehört Radar zu den verlässlich abgefragten Themen. Du musst den Unterschied PSR/SSR sauber erklären, die Frequenzen 1030/1090 MHz, die Modes A/C/S samt Funktion und die drei Notfall-Squawks kennen. Fragen zu Reichweiten-Faktoren, Sichtlinien-Limitierung und typischen Fehlerquellen kommen regelmässig vor. Operativ rettet dieses Wissen im Ernstfall Zeit: Wer bei Funkausfall reflexartig 7600 squawkt, wird von Skyguide sofort erkannt und kann sicher durch den Luftraum geführt werden.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Wie bestimmt ein Bodenradar die Entfernung (Range) zu einem Objekt?

Über die Laufzeitmessung: Das Radar misst die Zeit zwischen dem Aussenden eines Impulses und dem Empfang des Echos. Da die Impulse sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, ergibt die halbe Laufzeit mal c die Entfernung zum Objekt.

Der Faktor ½ ist wichtig, weil die Welle den Weg zum Ziel und zurück zurücklegt. Dieses Prinzip ist die Grundlage jeder Radarentfernungsmessung.

Wie bestimmt ein Bodenradar die Richtung (Bearing) eines erfassten Ziels?

Über den Azimutwinkel der Antenne im Moment des Echoempfangs. Da die Antenne meist rotiert, ist die Antennenrichtung zum Zeitpunkt des Echos gleich der Peilung zum Ziel.

Die Antenne strahlt einen schmalen gerichteten Strahl ab. Nur Ziele in dieser Strahlrichtung erzeugen ein Echo, daher liefert die Antennenstellung direkt die Richtung — Entfernung und Richtung zusammen ergeben die Position des Ziels.

Wofür steht die Abkürzung RADAR und auf welchem physikalischen Prinzip beruht es?

RADAR steht für 'Radio Detection And Ranging'. Es nutzt ausgesendete elektromagnetische Impulse, die an Objekten reflektiert werden; aus dem Echo lassen sich Entfernung und Richtung des Objekts bestimmen.

Das Grundprinzip muss sitzen, bevor man Bodenradar-Anwendungen versteht. Radar ist im Kern ein Laufzeitmessgerät, das mit elektromagnetischen Wellen arbeitet.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Welche Squawk-Codes sind weltweit reserviert?

Drei Codes sind global reserviert und dürfen nie versehentlich gesetzt werden: 7500 signalisiert eine widerrechtliche Beeinflussung (Hijacking), 7600 zeigt einen Funkausfall an, und 7700 ist der allgemeine Notfall-Code (Mayday-Situation). Zusätzlich ist 7000 der VFR-Standardcode in Europa ohne anderslautende ATC-Anweisung, und 2000 wird bei IFR-Flügen ohne anderen zugewiesenen Code verwendet. Beim Wechseln des Squawks niemals über 75/76/77 hinwegscrollen – Transponder auf Stand-by stellen oder direkt den Zielcode eingeben.

Auf welchen Frequenzen arbeiten Sekundärradar und Transponder?

Das Sekundärradar (SSR) sendet seine Abfragen (Interrogations) auf 1030 MHz. Der Transponder im Helikopter empfängt diese Abfragen und antwortet auf 1090 MHz mit einem codierten Datentelegramm, das je nach Mode den Squawk-Code, die Druckhöhe oder bei Mode S die 24-Bit-ICAO-Adresse und das Rufzeichen enthält. Diese beiden Frequenzen sind weltweit standardisiert (ICAO Annex 10) und gehören zum Prüfungsstoff.

Warum erfasst das Bodenradar Helikopter in Schweizer Tälern oft nicht?

Radarwellen breiten sich quasi-optisch (Sichtlinie) aus. Berge schatten den Radarstrahl ab, sodass Luftfahrzeuge unterhalb der Sichtlinie zur Antenne unsichtbar bleiben. In tiefen Alpentälern wie dem Wallis, Tessin oder Berner Oberland entstehen so radarfreie Zonen unterhalb gewisser Flughöhen. Skyguide kompensiert das teilweise mit mehreren verteilten Radarstationen und Mode-S-Multilateration, doch verlässliche Abdeckung gibt es erst ab höheren Flughöhen. Operativ heisst das: ohne Radar-Service auf VFR-Verfahren, gute Position-Reports und Sichtflugregeln verlassen.

Wozu dient Mode S gegenüber Mode A und C?

Mode A überträgt nur den 4-stelligen Squawk, Mode C ergänzt die Druckhöhe (bezogen auf 1013.25 hPa). Mode S geht deutlich weiter: Jedes Luftfahrzeug hat eine eindeutige 24-Bit-ICAO-Adresse, kann selektiv abgefragt werden (kein Garbling mehr) und überträgt zusätzlich Rufzeichen und weitere Parameter. Mode S ist Voraussetzung für ACAS/TCAS und für ADS-B Out. In der Schweiz ist Mode S mit Höhenübertragung im kontrollierten Luftraum und über bestimmten Höhen für motorisierte Luftfahrzeuge vorgeschrieben.

Was sind Garbling und Fruiting beim Sekundärradar?

Garbling entsteht, wenn zwei oder mehr Luftfahrzeuge nahe beieinander gleichzeitig auf eine SSR-Abfrage antworten – die Antworten überlappen sich und werden unleserlich. Fruiting beschreibt unerwünschte Antworten, die ein Transponder auf Abfragen einer anderen, nicht zuständigen Bodenstation gibt; diese stören die eigene Radarverarbeitung. Beide Effekte werden durch Mode S weitgehend eliminiert, weil dort jedes Luftfahrzeug einzeln und gezielt mit seiner 24-Bit-Adresse abgefragt wird, statt alle gleichzeitig auf eine generelle Abfrage antworten zu lassen.

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