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Topic 060.07

Funknavigationsmittel

Funknavigationsmittel sind bodengestützte Systeme, die dir als PPL(H)-Pilot Standort- und Richtungsinformationen liefern – unabhängig von GPS. Auch wenn moderne Helikopter heute meist mit GNSS unterwegs sind, prüft das BAZL in der Theorie nach wie vor das klassische Funknavigations-Wissen: NDB/ADF, VOR, DME und Bodenpeilung. Du musst verstehen, wie diese Systeme funktionieren, wie ihre Anzeigen zu interpretieren sind, welche Reichweiten und Fehler typisch sind und welche Faktoren die Genauigkeit beeinflussen. In der Schweiz spielen VOR/DME-Stationen wie Zürich-East, Trasadingen oder Saanen weiterhin eine Rolle in der IFR-Streckenführung und als Reporting Points im VFR. Topographie und Abschattung durch alpine Geländekanten sind dabei reale Herausforderungen, die du auf der Theorie-Prüfung kennen musst. Dieses Topic gehört zu den klassischeren Abschnitten der Navigation – mit klaren Prinzipien, definierten Frequenzbändern und nachvollziehbaren Fehlerquellen, die sich gut für FSRS-Wiederholung eignen.

4 Sub-Topics, eingebettet in Navigation. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Bodenpeilung (Ground DF)

Beim Ground Direction Finding bestimmt eine Bodenstation die Richtung, aus der dein Funkspruch eintrifft. Du sendest auf VHF, das DF-Gerät am Boden misst den Einfallswinkel der Welle und der Lotse gibt dir QDM (magnetischer Kurs zur Station), QDR (magnetische Peilung von der Station weg) oder QTE (rechtweisende Peilung) durch. Reichweite ist VHF-typisch quasi-optisch, also abhängig von Flughöhe und Geländeabschattung. Klassische Fehlerquellen sind Reflexionen an Gebäuden oder Bergen (besonders relevant in alpinen Tälern wie um Sion oder Lugano), Mehrwegeausbreitung sowie zu kurze oder gestörte Sendungen. Die Genauigkeit wird in Klassen angegeben; in der Praxis dient Ground DF heute vor allem als Notfallhilfe bei Orientierungsverlust.

NDB / ADF

Das Non-Directional Beacon sendet im LF/MF-Bereich (typisch 190–1750 kHz) ein ungerichtetes Signal. Dein bordseitiges ADF (Automatic Direction Finder) zeigt mit der Nadel direkt auf die Station – relativ zur Längsachse. Aus relativer Peilung plus Steuerkurs berechnest du QDM oder QDR. NDB-Signale folgen der Erdoberfläche (Bodenwelle) und haben tagsüber moderate Reichweite, leiden aber unter mehreren Fehlern: Night Effect durch Raumwelleninterferenz nach Sonnenuntergang, Coastal Refraction an Land-Wasser-Grenzen, Quadrantal Error durch die Flugzeugzelle, Thunderstorm Effect (Nadel zeigt auf Gewitter statt Station) und Mountain Effect. Letzterer ist in der Schweiz besonders zu beachten. NDBs werden zunehmend ausser Dienst gestellt, sind aber prüfungsrelevant.

VOR

Das VHF Omnidirectional Range arbeitet zwischen 108,0 und 117,975 MHz und liefert dir 360 magnetische Radiale von der Station. Das Prinzip: Die Station sendet ein omnidirektionales Referenzsignal und ein rotierendes Richtsignal; aus der Phasendifferenz ergibt sich dein Radial. Anzeige erfolgt klassisch via OBS, CDI und TO/FROM-Flag. Da VOR auf VHF arbeitet, gilt Line of Sight – Reichweite hängt von der Flughöhe ab und alpine Geländekanten schatten ab. Typische Fehler sind Site Error (durch Geländeunebenheiten an der Station), Scalloping (Reflexionen), Aggregat-Fehler beim Empfänger und Bearing Error mit ±5° als üblicher Genauigkeitsanforderung. Doppler-VOR (DVOR) reduziert geländebedingte Fehler und ist an den meisten modernen Schweizer Stationen Standard.

DME

Distance Measuring Equipment misst die Schrägdistanz (Slant Range) zwischen Helikopter und Bodenstation im UHF-Bereich (962–1213 MHz). Dein Bordgerät sendet Abfrageimpulse, die Bodenstation antwortet nach fester Verzögerung, und aus der Laufzeit wird die Distanz in NM angezeigt. Wichtig: DME zeigt Schräg- und nicht Horizontaldistanz – direkt über der Station liest du nicht null, sondern deine Höhe in NM ("Cone of Silence"). Reichweite ist Line of Sight, typisch bis ca. 200 NM bei genügend Höhe. Eine Station kann maximal etwa 100 Flugzeuge gleichzeitig bedienen. DME wird oft mit VOR oder ILS kombiniert (VOR/DME, ILS/DME) und ist heute die Grundlage für DME/DME-Navigation in modernen FMS – auch in Schweizer IFR-Verfahren.

Prüfungsrelevanz

Das BAZL fragt in 060 Navigation gezielt Prinzipien, Fehler und Reichweiten ab – oft als Multiple-Choice mit feinen Unterscheidungen (z.B. welcher NDB-Fehler nachts auftritt, oder warum DME über der Station nicht null anzeigt). Wer die vier Systeme sauber abgrenzen kann, holt sich hier sichere Punkte.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Welche Information liefert eine Ground-DF-Station dem Piloten typischerweise?

Die magnetische (oder rechtweisende) Peilung des Flugzeugs von der DF-Station, übermittelt per Sprechfunk. Üblich sind QDM (magnetischer Steuerkurs zur Station) oder QDR (magnetische Peilung von der Station).

Da die Bodenstation nur eine Richtung misst (kein Distanzmesssystem), beschränkt sich die Information auf einen Peilwert. Der Pilot fliegt dann nach QDM zur Station oder nutzt QDR zur Positionsbestimmung.

Wie ermittelt eine Ground-DF-Bodenstation die Richtung zu einem sendenden Flugzeug?

Sie misst die Einfallsrichtung der Funkwellen mit einer Richtantenne (z.B. Drehrahmenantenne oder Phased Array). Die Antenne wird so ausgerichtet, dass entweder das Signalmaximum oder das Minimum (Null) erreicht wird — daraus ergibt sich die Peilung zum Flugzeug.

Das Funktionsprinzip beruht auf den Richteigenschaften der Empfangsantenne. Eine Rahmenantenne hat ein scharfes Minimum (Null) quer zur Schleifenebene, das für die Peilung präziser ist als das Maximum. Aktiv tut das Flugzeug nichts Besonderes — es genügt eine normale VHF-Aussendung.

Warum nutzt eine Rahmenantenne bei der Bodenpeilung bevorzugt das Signalminimum (Null) statt das Maximum?

Das Minimum (Null) der Rahmenantenne ist deutlich schärfer und schmaler ausgeprägt als das breite Maximum. Dadurch lässt sich die Einfallsrichtung präziser bestimmen.

Ein flaches Maximum erlaubt nur eine ungenaue Winkelbestimmung, da der Signalpegel über einen breiten Winkelbereich kaum variiert. Das scharfe Null gibt dagegen einen klar definierten Winkel mit kleiner Toleranz.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen QDM, QDR und QTE?

Alle drei sind Peilungen, aber mit unterschiedlichem Bezug. QDM ist der magnetische Kurs, den du steuern musst, um zur Station zu fliegen. QDR ist die magnetische Peilung von der Station weg – also QDM ± 180°. QTE ist die rechtweisende (true) Peilung von der Station zum Flugzeug, also QDR korrigiert um die Missweisung. In der Praxis hörst du am häufigsten QDM, weil es direkt steuerbar ist. Diese Unterscheidung wird in der BAZL-Prüfung regelmässig abgefragt.

Warum ist NDB nachts ungenauer als tagsüber?

Tagsüber wird das NDB-Signal hauptsächlich als Bodenwelle empfangen. Nach Sonnenuntergang reflektiert die Ionosphäre (besonders die D-Schicht löst sich auf) zusätzlich Raumwellen zurück zur Erde. Diese überlagern die Bodenwelle und führen zu Interferenzen, sodass die ADF-Nadel schwankt oder falsche Richtungen anzeigt. Dieser Effekt heisst Night Effect und ist besonders ausgeprägt in der Dämmerung und auf grosse Distanzen. Deshalb sind NDB-Peilungen nachts mit Vorsicht zu interpretieren.

Warum zeigt das DME beim Überfliegen der Station nicht null an?

DME misst die Schrägdistanz – also die direkte Linie zwischen Helikopter und Bodenantenne. Direkt über der Station entspricht diese Distanz deiner Höhe über der Station, nicht null. Auf FL100 über einer DME-Station liest du also rund 1,6 NM. Direkt über der Station verlierst du zudem oft kurz das Signal ('Cone of Silence'), weil die Antennenkeule senkrecht nach oben schwächer abstrahlt. Für die Navigation in geringer Höhe ist der Schrägdistanz-Fehler vernachlässigbar, in grosser Höhe nicht.

Wie weit reicht ein VOR-Signal?

VOR arbeitet im VHF-Band und unterliegt der Line-of-Sight-Ausbreitung. Die Reichweite hängt also primär von deiner Flughöhe und dem Gelände zwischen dir und der Station ab. Als grobe Faustregel gilt: Reichweite in NM ≈ 1,23 × √Höhe in Fuss. Auf 3000 ft AGL also rund 67 NM, sofern kein Berg dazwischen steht. In den Alpen schatten Geländekanten VOR-Stationen aber massiv ab – ein Grund, warum tiefe VFR-Flüge in Tälern oft keinen VOR-Empfang haben.

Wird NDB in der Schweiz noch verwendet?

NDBs werden europaweit – auch in der Schweiz – schrittweise abgebaut, da satellitenbasierte Navigation und VOR/DME genauer und zuverlässiger sind. Trotzdem bleibt das Thema prüfungsrelevant: Du musst Prinzip, Anzeige, Fehlerquellen und Reichweite des ADF kennen. Einige NDBs existieren noch als Lokalisations- oder Anflughilfen, und in der internationalen Luftfahrt sind sie weiterhin verbreitet. Das BAZL prüft NDB/ADF deshalb weiterhin nach EASA-Lehrplan in voller Tiefe.

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