Allgemeine Grundlagen des Erdmagnetismus
Die Erde wirkt wie ein riesiger Stabmagnet, dessen magnetische Pole nicht mit den geografischen Polen übereinstimmen. Das Erdmagnetfeld lässt sich an jedem Punkt der Erde in zwei Komponenten zerlegen: eine horizontale Komponente (H), welche den Kompass in der Ebene ausrichtet, und eine vertikale Komponente (Z), die in unseren Breiten nach unten zieht und die sogenannte Inklination verursacht. In Äquatornähe ist die horizontale Komponente am stärksten – der Kompass funktioniert dort am präzisesten. Je näher man den magnetischen Polen kommt, desto kleiner wird H und desto unbrauchbarer der Magnetkompass.
Der Winkel zwischen geografischem und magnetischem Nord heisst Variation (oder Missweisung). In der Schweiz beträgt sie aktuell wenige Grad Ost und verändert sich jährlich um Bogenminuten – das ist die annual change, die auf Karten als kleine Notiz vermerkt ist. Bei langfristig genutzten Karten muss dieser jährliche Drift berücksichtigt werden, um den missweisenden Kurs (MC) korrekt aus dem rechtweisenden Kurs (TC) abzuleiten: TC ± Variation = MC.
Flugzeugmagnetismus und Kompassstörungen
Jeder Helikopter erzeugt durch seine ferromagnetischen Bauteile, elektrische Ströme und Avionik ein eigenes Magnetfeld. Dieses überlagert das Erdfeld am Ort des Kompasses und verursacht die Deviation – die Abweichung zwischen magnetischem Kurs (MC) und Kompasskurs (CC). Die vollständige Formel lautet: TC ± Var = MC ± Dev = CC.
Man unterscheidet zwei Arten von Flugzeugmagnetismus: hartmagnetische Anteile (permanent magnetisierte Stahlteile, fast konstant) und weichmagnetische Anteile (induzierte Magnetisierung durch Eisen im Heli, abhängig von Heading und Lage). Dazu kommen Felder durch Stromfluss in Bordleitungen – diese ändern sich, sobald du Funk, Landescheinwerfer oder Pitot-Heizung einschaltest.
Die Restdeviation nach dem Kompass-Swing wird auf einer Deviationskarte direkt am Kompass dokumentiert (typisch für jeweils 30°-Schritte). Praktische Konsequenz im Cockpit: Halte magnetisches Material vom Kompass fern. Eine Headset-Tasche mit Stahlclip, ein Tablet-Magnet, ein iPhone oder gar ein Werkzeug auf dem Glareshield können den Kompass um zehn Grad oder mehr verfälschen – ein in der Bergnavigation potenziell tödlicher Fehler.
Prüfungsrelevanz
Die BAZL-Theorieprüfung 060 enthält fast immer Aufgaben zur Umrechnung TC → MC → CC sowie Verständnisfragen zum Aufbau des Erdmagnetfelds und zu Deviation-Ursachen. Wer hier Variation und Deviation sauber trennen kann, hat den halben Navigations-Block gewonnen.