Eigenschaften der Mercator-Projektion
Die Direct-Mercator-Projektion ist eine zylindrische, winkeltreue (konforme) Projektion, bei der der Zylinder den Erdäquator berührt. Meridiane erscheinen als gerade, parallele, senkrechte Linien in gleichem Abstand. Breitenkreise sind ebenfalls gerade, horizontale Linien – ihr Abstand vergrössert sich aber zu den Polen hin stark, weshalb die Pole gar nicht abgebildet werden können. Eine Loxodrome (Rhumb Line), also ein Kurs konstanten Steuerkurses, erscheint auf der Mercator-Karte als gerade Linie – das ist ihr grosser Vorteil für die Navigation. Ein Grosskreis (Great Circle) dagegen ist eine zum nächstgelegenen Pol gekrümmte Kurve, ausser am Äquator oder entlang eines Meridians. Mercator-Karten verzerren Flächen in hohen Breiten massiv (Grönland wirkt grösser als Afrika), eignen sich aber sehr gut für äquatornahe Gebiete und Seefahrt.
Eigenschaften der Lambert-konformen Kegelprojektion
Die Lambert Conformal Conic ist eine kegelförmige, konforme Projektion und die Standardprojektion für die meisten ICAO-Luftfahrtkarten in mittleren Breiten – auch für die Schweiz. Der Kegel schneidet die Erdkugel typischerweise an zwei Standardparallelen; dort ist die Verzerrung null. Meridiane erscheinen als gerade Linien, die sich zum Pol hin konvergieren. Breitenkreise sind konzentrische Kreisbögen. Auf einer Lambert-Karte erscheint ein Grosskreis nahezu als Gerade (insbesondere zwischen den Standardparallelen) – ideal für Funkpeilungen und Langstreckennavigation. Eine Loxodrome dagegen ist eine zum Äquator hin leicht gekrümmte Kurve. Massstab und Winkeltreue sind über die ganze Karte annähernd konstant, was Lambert für Flugnavigation in mittleren Breiten zur Projektion der Wahl macht.
Verwendung aktueller Luftfahrtkarten
In der Schweiz arbeitest du primär mit der ICAO-Karte 1:500'000 von Swisstopo. Positionen bestimmst du über geografische Koordinaten (Breite/Länge) oder über markante Bodenmerkmale. Der Massstab ist auf jeder Karte explizit angegeben (z.B. 1:500'000 bedeutet 1 cm Karte = 5 km Realität). Relief wird durch Höhenlinien, Farbabstufungen (Hypsometrie), Schummerung und punktuelle Höhenangaben dargestellt – inklusive Maximum Elevation Figures (MEF) pro Kartenquadrat. Konventionelle Zeichen zeigen Flugplätze, Hindernisse (mit Höhe in ft AMSL und ft AGL), Lufträume, Pflicht-Meldepunkte (VFR-Reporting Points), Seilbahnen und Hochspannungsleitungen – Letztere für Heli-Piloten besonders kritisch. Tracks misst du mit Plotter und Winkelmesser am Meridian in der Streckenmitte (wegen Konvergenz auf Lambert), Distanzen über die Breitengradskala (1° Breite = 60 NM, 1' = 1 NM). Peilungen plottest du als Strahl vom Funkfeuer auf die Karte – als Geraden, weil VOR-/NDB-Peilungen Grosskreisen entsprechen, die auf Lambert nahezu gerade sind.
Relevanz für die BAZL-Prüfung
In der BAZL-Theorieprüfung Navigation kommen Fragen zu Projektionseigenschaften regelmässig vor: Welche Linie ist auf Mercator gerade? Wie verläuft ein Grosskreis auf Lambert? Was passiert mit dem Massstab in hohen Breiten? Genauso geprüft wird das praktische Kartenlesen: konventionelle Zeichen identifizieren, Distanzen über die Latitude-Skala messen, Tracks korrekt anlegen, Hindernishöhen interpretieren. Wer hier solide ist, hat in den Plotting-Aufgaben einen klaren Vorteil – und kann später im Cockpit zwischen Sernftal und Linthal nicht nur die Karte lesen, sondern sie verstehen.