Aero.Academy

Topic 060.05

Navigation im Flug

Navigation im Flug ist der praktische Teil der Sichtflug-Navigation: Du sitzt im Helikopter, hast deinen Flight Log auf dem Knie, schaust raus – und musst laufend abgleichen, ob dein Plan noch stimmt. Wind ändert sich, du driftest ab, die ETA verschiebt sich. Genau hier trennt sich solide PPL(H)-Navigation von blossem "irgendwie zum Ziel kommen". Das Topic 060.05 prüft, ob du im Flug visuelle Referenzen korrekt nutzt, deine Groundspeed neu berechnest, Off-Track-Korrekturen anbringst und aus der Abweichung den tatsächlichen Wind ableiten kannst. Für Schweizer Heli-Piloten ist das doppelt relevant: In alpinen Tälern wechseln Wind und Sicht schnell, markante Bodenmerkmale (Seen, Pässe, Talgabelungen) sind oft deine zuverlässigste Referenz, und GPS ist Backup – nicht Primärnavigation in der Prüfung. Die BAZL-Theorieprüfung erwartet, dass du die klassischen Methoden (1-in-60-Regel, Doppel-Drift, ETA-Revision) sicher beherrschst.

2 Sub-Topics, eingebettet in Navigation. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Visuelle Beobachtungen und deren Anwendung

Visuelle Navigation lebt von der bewussten Auswahl von Pflichtpunkten (Checkpoints) entlang der Route. Gute Checkpoints sind eindeutig, aus der Luft erkennbar und liegen idealerweise quer zur Flugrichtung – also Linienmerkmale wie Flüsse, Autobahnen, Bahnlinien, Talkanten. Punktmerkmale wie einzelne Höfe oder kleine Weiler sind in der Schweiz oft unzuverlässig, weil sie sich gleichen. Du arbeitest mit der Karte 1:500'000 (ICAO) und vergleichst kontinuierlich: Karte → Boden, nie umgekehrt. Achte auf Relief, Gewässer, markante Verkehrsachsen und Antennen. Im alpinen Gelände sind Pässe, Stauseen und Talenden hervorragende Referenzen. Vermeide es, in unsicheren Situationen ein Merkmal "passend zu sehen" – das ist der klassische Einstieg in den verlorenen Standort. Wenn du zweifelst: Kurs halten, Zeit weiterlaufen lassen, beim nächsten eindeutigen Merkmal neu aufsetzen.

Navigation im Reiseflug – Korrekturen und Revisionen

Sobald du einen Checkpoint überfliegst, vergleichst du geplante mit tatsächlicher Zeit – daraus ergibt sich die revidierte Groundspeed. Beispiel: Geplant 90 kt, tatsächlich für ein 15-NM-Bein 12 Minuten statt 10 → reale GS = 75 kt, neue ETA für die Folgeabschnitte entsprechend anpassen. Off-Track-Korrekturen rechnest du mit der 1-in-60-Regel: 1° Kursabweichung entspricht 1 NM Seitenabweichung pro 60 NM zurückgelegter Strecke. Daraus folgt die Track-Error-Berechnung (Abweichung × 60 / zurückgelegte Distanz) und der Closing Angle (Abweichung × 60 / Reststrecke). Die Summe beider ergibt die nötige Kurskorrektur, um direkt zum nächsten Wegpunkt zu fliegen. Aus der beobachteten Drift und der GS-Differenz lässt sich der aktuelle Wind rekonstruieren – das machst du mit Navigationsrechner oder grafisch im Windvektor-Dreieck. Der Flight Log ist dabei dein Arbeitsmittel: planmässige und tatsächliche Werte für Heading, Track, GS, Zeit und Treibstoff werden Spalte für Spalte nachgeführt. Im Helikopter mit oft kürzeren Beinen und niedrigeren Geschwindigkeiten musst du diszipliniert führen, sonst läuft dir die Situation davon.

Warum dieses Topic in der BAZL-Prüfung relevant ist

Die BAZL-Theorieprüfung Navigation enthält regelmässig Aufgaben zur 1-in-60-Regel, zu Groundspeed- und ETA-Revisionen sowie zur Windbestimmung aus Drift und GS. Du bekommst typischerweise Szenarien: "Nach 20 NM bist du 2 NM rechts der Linie, Reststrecke 40 NM – welche Kurskorrektur?" – Antwort: 6° + 3° = 9° links. Solche Aufgaben sind reine Rechenroutine, wenn man die Formeln sitzen hat. Genau deshalb sind sie ideal für FSRS-Wiederholung: einmal verstanden, dauerhaft abrufbar. In der Praxis-Prüfung mit dem BAZL-Examiner musst du dieselben Methoden im Cockpit live anwenden – Theorie und Skill-Test greifen hier direkt ineinander. Wer das Topic sauber beherrscht, hat in Navigation insgesamt einen stabilen Boden, weil hier die Konzepte aus 060.01 bis 060.04 zusammenlaufen: Karte, Kurs, Wind, Zeit, Treibstoff – alles wird im Flight Log konsolidiert.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Was bedeutet die Technik 'Map-to-Ground' und 'Ground-to-Map' bei der visuellen Navigation?

Map-to-Ground: Du suchst ein auf der Karte erwartetes Merkmal am Boden. Ground-to-Map: Du identifizierst ein gesehenes Merkmal am Boden und suchst es auf der Karte. Beide Richtungen werden ständig kombiniert eingesetzt.

Der ständige Wechsel zwischen beiden Techniken erlaubt eine zuverlässige Positionsbestimmung und das frühzeitige Erkennen von Navigationsfehlern.

Welche Arten von Geländemerkmalen eignen sich besonders gut als visuelle Navigationsreferenzen?

Linienhafte Merkmale (Strassen, Eisenbahnlinien, Hochspannungsleitungen), Gewässer (Flüsse, Seen, Küsten) und markante Einzelobjekte (Hügel, Berge, Kirchtürme, auffällige Gebäude).

Diese Merkmale sind aus der Luft gut erkennbar, auf der Karte eindeutig dargestellt und meist über längere Zeit stabil. Linienhafte Merkmale eignen sich besonders gut als 'Leitlinien', Einzelobjekte als Kontrollpunkte.

Welche Faktoren erleichtern die Identifikation von Geländemerkmalen aus der Luft?

Geeignete Flughöhe und gute Sichtbedingungen (Lichtverhältnisse, Sicht, Wolkenuntergrenze). Zu tief schränkt den Überblick ein, zu hoch lässt Details verschwimmen.

Die richtige Höhe gibt einen Kompromiss zwischen Detailerkennung und Überblick. Schlechtes Licht (Gegenlicht, Dämmerung) oder Dunst können selbst markante Merkmale unkenntlich machen.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Was ist die 1-in-60-Regel in der Sichtflugnavigation?

Die 1-in-60-Regel besagt: 1° Kursabweichung führt nach 60 NM zu rund 1 NM Seitenabweichung. Daraus leitest du zwei Werte ab: den Track Error (beobachtete Seitenabweichung × 60 / bereits geflogene Distanz) und den Closing Angle (Seitenabweichung × 60 / Reststrecke zum nächsten Punkt). Die Summe ist die Kurskorrektur, mit der du direkt zum Wegpunkt fliegst. Die Regel ist eine Näherung, aber im PPL(H)-Bereich für übliche Kursfehler präzise genug.

Wie revidiere ich meine ETA während des Fluges?

Du misst die effektive Zeit zwischen zwei bekannten Punkten und vergleichst sie mit der geplanten. Aus Distanz und tatsächlicher Zeit ergibt sich die reale Groundspeed. Mit dieser GS rechnest du die Reststrecke neu durch und aktualisierst die ETA für die kommenden Wegpunkte und das Ziel. Wichtig: nach jeder Kursänderung oder bei Verdacht auf Windwechsel neu prüfen. Trage die korrigierten Zeiten direkt im Flight Log nach, damit du jederzeit den Überblick behältst.

Wie bestimme ich den aktuellen Wind im Flug?

Aus dem Vergleich zwischen geplantem und tatsächlichem Track (Drift) sowie geplanter und tatsächlicher Groundspeed lässt sich der Wind rekonstruieren. Praktisch nutzt du den Navigationsrechner: Heading, TAS, beobachteter Track und GS eingeben – der Rechner liefert Windrichtung und -stärke. Grafisch funktioniert dasselbe im Windvektordreieck. Diese Methode ist nützlich, wenn der gemeldete Wind nicht mehr zum Flugverhalten passt, etwa bei Föhnlagen oder im Lee von Bergketten.

Warum sind Linienmerkmale bessere Checkpoints als Punktmerkmale?

Linienmerkmale wie Flüsse, Bahnlinien, Autobahnen oder ausgeprägte Talkanten überquerst du zwangsläufig – auch wenn du leicht neben dem geplanten Track bist. Ein Punktmerkmal hingegen kannst du seitlich verfehlen, ohne es zu sehen. Besonders in der Schweiz mit vielen ähnlichen Dörfern und Hügeln sind Linien deutlich zuverlässiger. Ideal sind Linien, die quer zu deinem Track verlaufen, weil sie dir gleichzeitig einen klaren Zeitpunkt für GS- und ETA-Revisionen liefern.

Was muss ein vollständiger Flight Log enthalten?

Pro Beinabschnitt: Wegpunkte, Track (geplant und magnetisch), Heading, Distanz, geplante GS und Zeit, Treibstoffverbrauch, Höhe, Frequenzen. Im Flug ergänzt du tatsächliche Überflugzeiten, revidierte GS, neue ETA und allfällige Kurskorrekturen. Sicherheitsrelevant sind ausserdem Mindesthöhen, alternative Landeplätze und Treibstoff-Reserven. Im Helikopter empfiehlt sich eine kompakte Knee-Board-Version – im Cockpit ist wenig Platz, und du musst die Werte ohne langes Suchen ablesen und nachtragen können.

Weitere Topics in Navigation

Bereit, die Theorie endlich zu verstehen?

Beta gratis, ohne Kreditkarte. Pro startet erst, wenn der CFI(H)-Review durch ist — dann 50 EUR/Monat oder 500 EUR/Jahr.

Aero.Academy ersetzt nicht die offizielle Theorie-Ausbildung an einer ATO.