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Topic 060.04

Koppelnavigation (DR-Navigation)

Koppelnavigation – auch DR-Navigation (Dead Reckoning) genannt – ist die Kunst, ohne GPS oder Funknavigation den eigenen Standort, Kurs und die Ankunftszeit zu berechnen. Du gehst dabei von einem bekannten Ausgangspunkt aus und ermittelst über Kurs, Geschwindigkeit, Wind und Zeit deine aktuelle Position. Für PPL(H)-Piloten ist das Pflichtstoff: Im Helikopter fliegst du oft tief, langsam und in Tälern, wo GPS-Empfang weniger zuverlässig ist und die Kartenarbeit am Knieblock parallel zum Fliegen läuft. Gerade in der Schweiz – wo enge Alpentäler, wechselnde Windverhältnisse durch Föhn und kurze Streckenabschnitte typisch sind – musst du jederzeit auch ohne elektronische Hilfsmittel wissen, wo du bist und wann du am Ziel ankommst. In der BAZL-Theorieprüfung gehört Koppelnavigation zu den Kernbereichen von Fach 060, weil sie das Fundament für jede Flugplanung legt: Vom Geschwindigkeitsdreieck über die TAS-Berechnung bis zur Bedienung des Navigationsrechners (CRP-5 / E6B).

4 Sub-Topics, eingebettet in Navigation. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Grundlagen der Koppelnavigation

DR-Navigation basiert auf einer einfachen Logik: bekannter Startpunkt + Kurs (Heading) + Geschwindigkeit + Zeit = neue Position. Du arbeitest mit mehreren Begriffen, die du sauber trennen musst: Track (Kurs über Grund), Heading (Steuerkurs, true oder magnetic), TAS (wahre Eigengeschwindigkeit), IAS/CAS (angezeigt bzw. korrigiert) und Groundspeed (Geschwindigkeit über Grund). Der Wind verursacht Drift, die du mit einem Wind Correction Angle (WCA) kompensierst. Aus dem WCA ergibt sich der zu fliegende Heading. Mit Groundspeed und Distanz rechnest du die ETA. Ein DR position fix ist die geschätzte Position zu einem definierten Zeitpunkt – sie wird mit visuellen Bodenmarken oder Funkpeilungen verifiziert.

Verwendung des Navigationsrechners

Der mechanische Navigationsrechner (CRP-5, E6B) ist trotz Tablet und Moving Map weiterhin Prüfungsstoff. Die kreisförmige Rechenseite löst Aufgaben zu Geschwindigkeit, Zeit, Distanz und Treibstoffverbrauch durch Proportionsrechnung. Über dieselbe Seite konvertierst du Einheiten (Liter ↔ US-Gallons, Fuss ↔ Meter, NM ↔ km). Mit der Druck- und Temperaturskala ermittelst du aus CAS die TAS sowie die True Altitude aus der angezeigten Höhe. Die Rückseite ist die Windseite: Mit Steuerkurs-Skala, Schiebescheibe und Windpunkt löst du das Navigationsdreieck. Im Cockpit eines R22 oder H125 ist die Bedienung mit einer Hand essenziell – das wird in der praktischen Prüfung mitbeobachtet.

Geschwindigkeitsdreieck (Navigationsdreieck)

Das Dreieck der Geschwindigkeiten verbindet drei Vektoren: Heading + TAS (wo zeigt die Nase, wie schnell durch die Luft), Track + Groundspeed (tatsächlicher Weg über Grund) und der Windvektor (Richtung und Stärke). Aus zwei bekannten Vektoren rechnest du den dritten. Typische Aufgaben: Gegeben sind Track, TAS und Wind – gesucht sind Heading (also Track ± WCA) und Groundspeed. Oder umgekehrt: Aus gemessenem Track und Groundspeed im Flug bestimmst du den effektiven Wind. Der Driftwinkel ist die Differenz zwischen Heading und Track. In der Alpennavigation kann die Drift bei Querwind im Talverlauf schnell zweistellig werden – sauberes Vorrechnen verhindert, dass du an der Talwand statt am Pass landest.

Berechnung von Navigationselementen

Hier geht es um die konkrete Anwendung. Höhenberechnung: Aus der indizierten Höhe (IAS-Indikator) wird über QNH die wahre Höhe; bei Abweichung von der ISA-Standardtemperatur korrigierst du via Navrechner zur True Altitude (relevant in den Alpen, wo kalte Luft die wahre Höhe absenkt – „from hot to cold, look out below"). Geschwindigkeitsbestimmung: Aus IAS wird über Instrumentenfehler CAS, dann mit Druckhöhe und Aussentemperatur die TAS. Erst die TAS gehört ins Geschwindigkeitsdreieck. Faustregel: Pro 1000 ft Druckhöhe nimmt die TAS gegenüber CAS um ca. 2 % zu.

In der BAZL-Prüfung erwarten dich Rechenaufgaben mit dem CRP-5 unter Zeitdruck – Wind-, TAS- und ETA-Berechnungen sind Standard. Wer das Geschwindigkeitsdreieck im Kopf hat, spart in der Prüfung und im Cockpit wertvolle Sekunden.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Was ist die Wind Velocity in der Navigation und wie wird sie angegeben?

Wind Velocity ist der Windvektor, bestehend aus Windrichtung (woher der Wind weht) und Windgeschwindigkeit. Sie wird typischerweise als z.B. 270°/15 kt angegeben.

Im Navigationsdreieck ist die Wind Velocity der Vektor, der die Differenz zwischen der Bewegung durch die Luft (Heading/TAS) und der Bewegung über Grund (Track/Groundspeed) erklärt.

Wie wird die ETA (Estimated Time of Arrival) berechnet?

ETA ergibt sich aus der verbleibenden Distanz geteilt durch die Groundspeed, addiert zur aktuellen Uhrzeit. Formel: Flugzeit = Distanz ÷ Groundspeed.

Da die ETA die Ankunft über Grund beschreibt, muss zwingend mit der Groundspeed gerechnet werden — nicht mit TAS oder IAS. Wind beeinflusst die Groundspeed und damit direkt die ETA.

Was ist der Unterschied zwischen Track und Heading?

Track ist der tatsächliche Weg des Flugzeugs über Grund. Heading ist die Richtung, in die die Längsachse des Flugzeugs zeigt — also wohin die Nase zeigt.

Wegen des Windes fliegt das Flugzeug nicht dorthin, wo seine Nase hinzeigt. Heading und Track unterscheiden sich genau dann, wenn ein Seitenwindanteil vorhanden ist.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Was bedeutet Koppelnavigation (DR-Navigation) genau?

Koppelnavigation – englisch Dead Reckoning (DR) – ist die rechnerische Bestimmung der aktuellen Position aufgrund von bekanntem Startpunkt, gesteuertem Kurs, Eigengeschwindigkeit, verstrichener Zeit und Windeinfluss. Sie funktioniert ohne Funk- oder Satellitennavigation und ist die Grundlage jeder klassischen VFR-Flugplanung. Im Helikopter-PPL ist DR-Navigation Pflichtstoff, weil du bei GPS-Ausfall oder schlechtem Empfang in alpinem Gelände jederzeit deine Position abschätzen können musst.

Wofür brauche ich den Navigationsrechner CRP-5 in der PPL(H)-Prüfung?

Der CRP-5 (oder ein gleichwertiges E6B-Modell) ist in der BAZL-Theorieprüfung Navigation zugelassen und meist nötig. Du löst damit Aufgaben zu TAS-Berechnung, Wind-Triangulation, Zeit-Distanz-Geschwindigkeit, Treibstoffverbrauch, Einheitenumrechnung und True Altitude. Ein Taschenrechner reicht für die Windseite nicht. Übe die Bedienung früh und regelmässig – im Prüfungsstress sollte jeder Handgriff sitzen.

Wie berechne ich den Wind Correction Angle (WCA) im Flug?

Exakt rechnest du den WCA über das Geschwindigkeitsdreieck mit dem Navigationsrechner. Eine brauchbare Faustformel: WCA ≈ (Windkomponente quer zur Strecke × 60) / TAS. Bei einem Querwind von 20 kt und TAS 90 kt ergibt das rund 13°. Im Helikopter prüfst du den WCA laufend visuell – wenn du seitlich vom Track abdriftest, korrigierst du den Heading entsprechend nach.

Warum unterscheiden sich IAS, CAS und TAS?

IAS (Indicated Airspeed) ist die rohe Anzeige des Fahrtmessers. CAS (Calibrated) berücksichtigt Instrumenten- und Einbaufehler. TAS (True Airspeed) korrigiert zusätzlich Luftdichte (Höhe und Temperatur). Da Luft mit zunehmender Höhe dünner wird, zeigt der Fahrtmesser weniger als die tatsächliche Geschwindigkeit durch die Luft. Für Navigation gehört immer die TAS ins Geschwindigkeitsdreieck – nur sie ergibt zusammen mit dem Wind die korrekte Groundspeed.

Ist Koppelnavigation in Zeiten von GPS und Moving Map noch relevant?

Ja, und das nicht nur prüfungstechnisch. GPS kann ausfallen, gestört werden oder im engen Tal Empfangsprobleme haben. Wer die Grundlagen der DR-Navigation beherrscht, behält auch ohne Elektronik die Übersicht und kann die GPS-Daten plausibilisieren. Zudem fördert DR das Situationsbewusstsein: Du fliegst aktiv mit Karte, Uhr und Heading – nicht nur einer magenta-farbigen Linie hinterher.

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