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Topic 090.03

Relevante Wetterinformationen (VFR)

Aktuelle Wetterinformationen sind für VFR-Helikopterflüge in der Schweiz überlebenswichtig – nicht nur wegen der schnell wechselnden alpinen Bedingungen, sondern auch weil VFR per Definition Sichtflug bedeutet und du auf belastbare meteorologische Daten angewiesen bist, um Entscheidungen über Start, Route und Landung zu treffen. In der PPL(H)-Theorie 090 Communications lernst du, welche Wetterinformationen flugplatzbezogen verfügbar sind, wie du sie funkseitig abrufst und welche kontinuierlichen Wetterausstrahlungen dir während des Fluges zur Verfügung stehen. Für Schweizer Pilotinnen und Piloten ist das besonders relevant: Föhneinbruch im Wallis, schnell aufziehende Bisennebel im Mittelland oder Quellbewölkung über den Alpen können einen Flugplan innerhalb einer halben Stunde unbrauchbar machen. Wer die relevanten Quellen kennt – METAR, TAF, ATIS, VOLMET – und sie richtig interpretiert, fliegt sicherer und besteht die BAZL-Prüfung mit deutlich weniger Stress. Dieses Topic verbindet meteorologisches Grundwissen mit konkreten Funkverfahren.

2 Sub-Topics, eingebettet in Communications. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Flugplatzbezogene Wetterinformationen

Flugplatzbezogene Wetterinformationen liefern dir den meteorologischen Zustand am Start-, Ziel- oder Ausweichflugplatz. Die wichtigsten Quellen sind METAR (aktuelle Beobachtung, meist halbstündlich), SPECI (ausserplanmässige Meldung bei signifikanten Wetteränderungen) und TAF (Flugplatzvorhersage). Direkt am Boden oder im Anflug erhältst du diese Daten über den ATIS (Automatic Terminal Information Service) als kontinuierliche Schleife auf einer eigenen Frequenz – in der Schweiz etwa für Zürich, Genf oder Bern. Der ATIS enthält Wind, Sicht, Wolken, Temperatur, QNH, Piste in Gebrauch und besondere Bemerkungen. Vor dem ersten Funkkontakt hörst du den ATIS ab und meldest dich mit dem Buchstaben der aktuellen Information (z.B. „Information Charlie"). Auf kleineren Flugplätzen ohne ATIS bekommst du das Wetter direkt vom AFIS oder Tower per Funk.

Wetterausstrahlungen

Während des Fluges greifst du auf kontinuierliche Wetterausstrahlungen zurück. VOLMET (Meteorological Information for Aircraft in Flight) sendet auf festgelegten HF- oder VHF-Frequenzen in einem zeitlich getakteten Zyklus METARs und TAFs mehrerer Flugplätze einer Region. Für die Schweiz und das benachbarte Ausland sind die VOLMET-Sendungen von Zurich Radio bzw. den europäischen Stationen relevant. Daneben existieren regionale Wetterausstrahlungen wie das HF-VOLMET-Netzwerk für die Streckenflugplanung. In der Schweiz ergänzt MeteoSchweiz die Daten mit speziellen GAFOR-Vorhersagen für VFR-Strecken durch die Alpentäler. Im Heli-Betrieb ist gerade GAFOR Gold wert, weil er regionsweise die voraussichtliche Flugwetterlage (offen, marginal, geschlossen) angibt – essentiell etwa für die Strecke Bern–Sion oder den Übergang ins Tessin via Gotthard.

Praktischer Ablauf vor und während des Fluges

Vor dem Start: METAR/TAF von Start-, Ziel- und Ausweichflugplatz prüfen, GAFOR studieren, SIGMET/AIRMET auf signifikante Phänomene checken (CB, Vereisung, Turbulenz, Gebirgswelle). Während des Fluges: ATIS am Zielflugplatz frühzeitig abhören – Faustregel rund 30 NM vor Ankunft, im Heli oft entsprechend früher anhand der Flugzeit. Bei längeren Strecken VOLMET nutzen, um Entwicklungen am Ziel zu verfolgen. Bei unerwarteten Bedingungen kannst du den Fluginformationsdienst (FIS, z.B. Zurich Information) direkt um aktuelle Wetterinformationen oder PIREPs anderer Piloten bitten.

Schweizer Besonderheiten

Im alpinen Umfeld reichen Flugplatz-METARs allein selten aus. Talwinde, Leewellen und Quellbewölkung entstehen oft fernab der Messstationen. Deshalb kombinierst du immer METAR/TAF mit GAFOR, Webcams (z.B. an Pässen) und – falls verfügbar – PIREPs. Bei Föhnlage in Sion oder Locarno kann die offizielle Meldung gut aussehen, während wenige Kilometer weiter heftige Rotoren stehen.

Prüfungsrelevanz BAZL

In der BAZL-PPL(H)-Theorie zu 090 Communications wirst du gefragt, welche Wetterprodukte für VFR relevant sind, wie ATIS und VOLMET funktionieren, in welcher Reihenfolge die Informationen im ATIS erscheinen und wie du Wetterinformationen über Funk anforderst. Auch die Abgrenzung zwischen METAR (Ist-Wetter) und TAF (Vorhersage) sowie das richtige Bestätigen der ATIS-Information werden geprüft.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Was ist ein METAR und welche Wetterelemente enthält er?

Ein METAR (Meteorological Aerodrome Report) ist eine routinemässige Flugplatzwettermeldung, die die beobachteten Wetterbedingungen am Flugplatz zum Beobachtungszeitpunkt enthält: Wind, Sicht, Wetter, Wolken, Temperatur, Taupunkt und QNH.

Der METAR gibt dir eine standardisierte Momentaufnahme des Wetters am Flugplatz und ist eine Grundlage für deine Flugplanung bezüglich Abflug- und Zielflugplatz. Bei signifikanten Wetteränderungen zwischen den regulären Meldungen wird zusätzlich ein SPECI (Special Report) herausgegeben. Die genauen Ausgabeintervalle sowie Detailregelungen können je nach Flugplatz und nationaler Umsetzung variieren — siehe ICAO Annex 3 bzw. die jeweilige lokale AIP.

Wann wird ein SPECI herausgegeben und was unterscheidet ihn vom METAR?

Ein SPECI ist eine ausserplanmässige Sondermeldung, die ausgegeben wird, wenn sich das Wetter signifikant ändert (z.B. Wind, Sicht, Wolkenbasis, Gewitter) zwischen den regulären METAR-Zeiten.

Der SPECI ergänzt den METAR, indem er flugbetrieblich relevante Verschlechterungen oder Verbesserungen sofort meldet, statt bis zum nächsten Routinetermin zu warten. Die genauen Auslöse-Kriterien (z.B. Windänderung ≥10 kt, Sichtgrenzen, Wolkenuntergrenzen) sind in ICAO Annex 3 festgelegt.

Welche sieben Hauptelemente enthält ein METAR/SPECI?

Wind (Richtung/Stärke), Sicht, Wetter (present weather), Wolken (Bedeckung/Höhe), Temperatur, Taupunkt und QNH.

Diese sieben Elemente decken alle für Start, Landung und Platzrunde relevanten Wetterparameter ab. Sie erscheinen im METAR immer in dieser standardisierten Reihenfolge.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen METAR und TAF?

Ein METAR ist eine aktuelle Wetterbeobachtung am Flugplatz, normalerweise alle 30 Minuten ausgegeben. Er beschreibt also den Ist-Zustand. Ein TAF (Terminal Aerodrome Forecast) ist hingegen eine Vorhersage für den Flugplatz, typischerweise über 9, 24 oder 30 Stunden gültig. Für die VFR-Flugplanung brauchst du beides: der METAR zeigt dir, wie es jetzt aussieht, der TAF, wie sich die Lage bis zur geplanten Ankunft entwickelt. SPECI-Meldungen ergänzen METARs bei plötzlichen, signifikanten Wetteränderungen.

Wann muss ich den ATIS abhören?

Den ATIS hörst du immer vor dem ersten Funkkontakt mit der jeweiligen Flugplatzkontrolle ab – sowohl vor dem Start (Ground/Delivery) als auch vor dem Anflug (Approach/Tower). Bei der ersten Meldung gibst du den Buchstaben der aktuellen Information durch, z.B. „Information Mike received". So weiss der Controller, dass du QNH, Piste, Wind und besondere Hinweise bereits kennst und muss diese nicht einzeln durchgeben. Bei längeren Anflügen aktualisierst du die Information, falls eine neue Sequenz ausgestrahlt wird.

Wofür brauche ich VOLMET im VFR-Flug?

VOLMET sendet kontinuierlich METARs und TAFs mehrerer Flugplätze auf einer eigenen Frequenz. Für VFR-Heli-Piloten ist VOLMET nützlich, um während eines längeren Streckenflugs die Wetterentwicklung am Ziel oder an Ausweichplätzen zu verfolgen, ohne den arbeitsbelasteten Funkverkehr mit FIS oder Tower zu stören. Gerade in der Schweiz, wo sich das Wetter im Alpenraum schnell ändert, bekommst du so frühzeitig mit, ob dein geplanter Zielflugplatz noch innerhalb der VFR-Minima liegt oder ob du umdisponieren musst.

Was ist GAFOR und warum ist es für Schweizer Heli-Piloten wichtig?

GAFOR (General Aviation Forecast) ist eine VFR-Streckenwettervorhersage von MeteoSchweiz. Die Schweiz ist in nummerierte Gebiete und Strecken aufgeteilt, für die jeweils Codes wie O (offen), D (schwierig/marginal), M (marginal) oder X (geschlossen) ausgegeben werden. Für Helikopter-Piloten ist GAFOR vor allem im alpinen Raum unverzichtbar: Es zeigt dir, ob etwa der Übergang über den Gotthard oder ins Wallis VFR-tauglich ist. METAR und TAF allein reichen für Streckenflüge durch die Alpen oft nicht aus.

Kann ich Wetterinformationen auch während des Fluges per Funk anfordern?

Ja. Du kannst den Fluginformationsdienst (FIS) – in der Schweiz z.B. Zurich Information oder Geneva Information – um aktuelle Wetterinformationen bitten. Üblich ist eine kurze Anfrage wie „Request latest weather Sion". Der FIS-Controller gibt dir METAR, ggf. TAF oder Trends durch. Bei unerwarteten Wetterphänomenen kannst du auch einen PIREP (Pilot Report) absetzen, um andere Piloten zu warnen. In Kontrollzonen erhältst du Wetterauskünfte vom Tower oder Approach, ausserhalb in der Regel vom FIS.

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