Allgemeine Grundsätze der VHF-Wellenausbreitung
VHF-Wellen breiten sich quasi-optisch aus – also nahezu in gerader Linie ("line of sight"). Im Gegensatz zu HF werden sie nicht an der Ionosphäre reflektiert und folgen auch nicht der Erdkrümmung. Das bedeutet: Sobald ein Hindernis (Berg, Erdkrümmung) zwischen Sender und Empfänger steht, bricht die Verbindung ab. Genau das spürst du als Helikopter-Pilot im Wallis oder Graubünden: Unter Kammhöhe in einem engen Tal erreichst du Geneva Information oft schlicht nicht.
Die maximale Reichweite hängt direkt von der Flughöhe ab. Eine gängige Faustformel lautet: D (NM) ≈ 1.23 × √h (ft), wobei h die Höhe über der Bodenstation in Fuss ist. Auf 3'000 ft AGL ergibt das rund 67 NM Sichtweite, auf 10'000 ft bereits etwa 123 NM. Reflexionen an Geländekanten können zudem Mehrwegempfang und Auslöschungen erzeugen – hörbar als verzerrte oder "hohle" Übertragung.
Die Sendeleistung der typischen Bord-VHF liegt bei 5–25 W. Mehr Leistung bringt bei Sichtlinien-Ausbreitung wenig – Höhe ist immer der bessere Hebel als Watt.
Frequenzband und Kanalraster
Der Luftfahrt-VHF-Sprechfunk nutzt das Band 118.000 bis 136.975 MHz mit Amplitudenmodulation (AM, A3E). Seit 2018 ist in Europa flächendeckend das 8.33-kHz-Kanalraster verpflichtend, das den älteren 25-kHz-Raster ablöste, um den Frequenzmangel zu entschärfen. Ein "Kanal" 118.005 entspricht dabei einer realen Frequenz nahe 118.00833 MHz – die Anzeige im Funkgerät ist eine Kanalnummer, kein exakter Frequenzwert.
Notfrequenzen sind international standardisiert: 121.500 MHz (zivile Notfrequenz, VHF Guard) wird in jedem Flugfunkgerät überwacht oder mitgehört, 123.100 MHz ist SAR-Frequenz. In der Schweiz nutzt REGA zusätzlich eigene Frequenzen, die du als PPL(H)-Pilot aber nur in speziellen Operationen anwählst.
Frequenzzuteilung – ICAO und ITU
Die globale Aufteilung der Funkfrequenzen erfolgt durch die International Telecommunication Union (ITU), die das VHF-Aeronautical-Mobile-Band weltweit für die Luftfahrt reserviert. Die ICAO regelt im Annex 10 die konkrete Nutzung (Kanalabstand, Modulation, Verfahren). Auf nationaler Ebene weist das BAZL in der Schweiz einzelne Frequenzen den Flugplätzen, FIS-Sektoren und Skyguide-Sektoren zu und publiziert diese im AIP Switzerland sowie auf den Anflugkarten. Frequenzen werden so gewählt, dass benachbarte Stationen sich geografisch nicht stören – ein Tower in Sion und einer in Bern können dieselbe Frequenz nutzen, weil die Sichtlinien-Reichweite begrenzt ist.
Relevanz für die BAZL-Prüfung
In der Theorieprüfung tauchen typischerweise Aufgaben zu Reichweite vs. Flughöhe, Notfrequenzen, dem 8.33-kHz-Raster und zur Frage auf, warum VHF nicht über den Horizont reicht. Das Verständnis der Sichtlinien-Physik hilft dir auch, Multiple-Choice-Fallen zu vermeiden – etwa die Frage, ob "höhere Sendeleistung" das Reichweitenproblem im Tal löst (Antwort: nein, mehr Höhe ist nötig).