Notverfahren (Distress)
Ein Distress liegt vor, wenn dein Helikopter oder Insassen von einer ernsten und/oder unmittelbar drohenden Gefahr bedroht sind und sofortige Hilfe benötigen. Das Notsignal lautet MAYDAY, dreimal gesprochen am Anfang der Meldung. Die internationale Notfrequenz für Sprechfunk ist 121.500 MHz (VHF) – sie wird von ATC-Stellen, vielen IFR-Flügen und Search-and-Rescue-Diensten dauernd überwacht. Wenn möglich, sendest du die Notmeldung jedoch auf der aktuell verwendeten Arbeitsfrequenz, weil dort der Lotse dich bereits kennt und sofort reagieren kann.
Eine vollständige Notnachricht folgt einem festen Schema: MAYDAY MAYDAY MAYDAY, Name der angerufenen Stelle, Rufzeichen, Art des Notfalls, Absicht des Piloten, aktuelle Position/Höhe/Steuerkurs, sowie weitere zweckdienliche Angaben (z. B. Anzahl Personen an Bord, Treibstoff in Stunden). Sobald MAYDAY gesendet wurde, herrscht auf der Frequenz Funkstille für alle anderen Stationen – nur Not- und Hilfsverkehr ist erlaubt.
Dringlichkeitsverfahren (Urgency)
Eine Urgency-Situation betrifft die Sicherheit eines Luftfahrzeugs oder einer Person, ohne dass sofortige Hilfe nötig ist. Klassische Beispiele: ein medizinischer Vorfall an Bord ohne akute Lebensgefahr, eine Treibstoffsituation, die kritisch werden könnte (aber noch nicht «MAYDAY FUEL» ist), oder ein technisches Problem, das eine Aussenlandung notwendig macht, aber kontrolliert durchführbar ist. Das Dringlichkeitssignal lautet PAN-PAN PAN-PAN PAN-PAN, ebenfalls dreimal am Anfang.
Die Frequenzen sind dieselben wie beim Notverfahren: vorzugsweise die Arbeitsfrequenz, alternativ 121.500 MHz. Auch die Struktur der Dringlichkeitsnachricht ist analog: Signal, angerufene Stelle, Rufzeichen, Art des Problems, Absicht, Position, weitere Angaben. PAN-PAN-Verkehr hat Vorrang vor allem normalen Funkverkehr, aber MAYDAY hat Vorrang vor PAN-PAN. Eskaliert eine Dringlichkeits- zu einer Notsituation, wechselst du jederzeit auf MAYDAY.
Praktische Aspekte im Schweizer Luftraum
Im dicht beflogenen Schweizer Luftraum sind ATC-Stellen wie Zürich, Genf oder Bern Information stets bereit, Not- und Dringlichkeitsverkehr aufzunehmen. Im Alpenraum kann die VHF-Reichweite jedoch durch Topografie eingeschränkt sein – hier hilft das Steigen auf eine höhere Frequenz oder das Setzen des entsprechenden Transponder-Codes: 7700 für Notfall, 7600 für Funkausfall, 7500 für unrechtmässige Beeinflussung. Diese Codes lösen bei Skyguide sofort eine Alarmierung aus, auch wenn dein Funkspruch nicht durchkommt.
Bedeutung für die BAZL-Prüfung
In der Theorieprüfung 090 Communications wirst du regelmässig zur exakten Phraseologie, zur Reihenfolge der Nachrichtenelemente, zur Frequenz 121.500 MHz und zur Abgrenzung Distress/Urgency geprüft. Typische Fallen: Verwechslung der Signale, Unsicherheit bei der Frequenzwahl (Arbeitsfrequenz vs. 121.5) oder unvollständige Notnachrichten.