Teetering Rotor und vollgelenkiger Rotor
Der Teetering Rotor (Wipprotor) besteht aus zwei Blättern, die starr miteinander verbunden sind und über ein zentrales Gelenk (Teetering Hinge) wie eine Wippe schlagen. Klappt ein Blatt nach oben, geht das andere nach unten. Zusätzlich besitzt jedes Blatt ein Feathering-Gelenk für die Pitch-Verstellung. Ein separates Lead-Lag-Gelenk fehlt – Coriolis-Kräfte werden durch leichte Underslinging des Rotorkopfs minimiert. Typisches Muster: Robinson R22/R44, Bell 206.
Der vollgelenkige Rotor (drei oder mehr Blätter) besitzt pro Blatt drei separate Hinges: Flapping Hinge, Lead-Lag Hinge (Drag Hinge, oft mit Dämpfer) und Feathering Hinge. Statt klassischer Wälzlager kommen heute häufig Elastomerlager zum Einsatz – wartungsarm, ölfrei. Beispiele: AS332, S-76.
Gelenkloser und lagerloser Rotor
Beim gelenklosen Rotor (hingeless) fehlen Flapping- und Lead-Lag-Gelenke physisch – die Blätter sind biegeelastisch in der Wurzel ausgeführt und nehmen die Bewegungen über Materialverformung auf. Nur das Feathering-Gelenk bleibt mechanisch. Vorteil: kompaktere Bauweise, höhere Steuerwirkung, bessere Agilität (z. B. Bo 105, EC135).
Der lagerlose Rotor (bearingless) geht einen Schritt weiter: Auch das Feathering-Gelenk entfällt als mechanisches Lager. Die Pitch-Verstellung erfolgt durch Torsion eines flexiblen Compositeelements (Flexbeam). Resultat: noch weniger Wartung, keine Schmierstellen, gute Schwingungseigenschaften. Beispiele finden sich an modernen Mustern wie H135 oder MD-Explorer-Derivaten.
Blade Sailing, Droop Stops und Vibrationen
Blade Sailing tritt beim Anlassen oder Auslaufen des Rotors auf, wenn die Drehzahl tief ist und die Zentrifugalkraft die Blätter noch nicht straff hält. Bei ungünstigem Wind – im Schweizer Alpenraum besonders bei böigem Föhn oder turbulenten Heli-Plätzen wie Gsteigwiler oder Sion – können die Blätter so weit nach unten schlagen, dass sie den Heckausleger treffen (Tail Boom Strike) oder beim Teetering-System einen Mast Bump verursachen. Schutzmassnahmen: Anlassen mit Wind von vorne, Droop Stops (mechanische Anschläge, die das Absacken bei tiefer Drehzahl begrenzen und sich bei Betriebsdrehzahl freigeben) sowie ruhiges, zügiges Hochfahren auf Nenndrehzahl.
Vibrationen aus dem Hauptrotor unterscheidet man in zwei Ebenen:
- In-plane (in der Rotorebene) – meist durch Lead-Lag-Unwucht oder Massenunterschiede der Blätter.
- Vertical (senkrecht zur Ebene) – durch unterschiedliche Spurführung (out of track), aerodynamische Asymmetrien oder Pitch-Differenzen.
Behoben wird das durch Blade Tracking (alle Blätter laufen in derselben Ebene, oft mit Stroboskop oder optischen Trackern eingestellt) und Balancing (statisches und dynamisches Auswuchten via Trimmgewichte und Pitch-Link-Verstellung). Niederfrequente Vibrationen (1/rev) deuten meist auf Unwucht oder Tracking-Fehler hin, höherfrequente (n/rev mit n = Blattzahl) sind systembedingt und werden durch Schwingungstilger gedämpft.
Prüfungsrelevanz BAZL
Im Theorieexamen werden Rotorsysteme regelmässig in Multiple-Choice-Fragen zur Zuordnung von Hinges, zur Identifikation des Rotortyps anhand des Aufbaus und zu Notfall-/Anlassverfahren abgefragt. Wer den Unterschied zwischen Teetering und vollgelenkig nicht sauber benennen kann oder Blade Sailing mit Ground Resonance verwechselt, verliert hier schnell Punkte. Das Topic verzahnt sich zudem mit 080.13 (Ground Resonance), 080.15 (Rotorsteuerung) und Notverfahren in der Operational Procedures.