Drehflüglerarten: Autogyro versus Helikopter
EASA unterscheidet zwei Rotorcraft-Arten: den Autogyro (Tragschrauber) und den Helikopter. Beim Autogyro wird der Rotor nicht motorisch angetrieben, sondern dreht im Flug durch den anströmenden Fahrtwind frei mit – die Autorotation ist hier der Normalzustand. Vortrieb liefert ein separater Propeller. Der Helikopter dagegen treibt seinen Hauptrotor aktiv über Motor und Getriebe an; der Rotor erzeugt sowohl Auftrieb als auch Vortrieb durch Neigen der Rotorebene. Daraus folgt der entscheidende Unterschied für die Praxis: Nur der Helikopter kann schweben. In der Schweiz ist der Autogyro für PPL(H)-Schüler eher theoretisch relevant – die Ausbildung läuft auf klassischen Single-Main-Rotor-Mustern wie R44, R66 oder Cabri G2.
Single Main Rotor: Grundkonfiguration
Die Standardkonfiguration im PPL(H)-Lehrplan ist der Helikopter mit einem Hauptrotor und einem Heckrotor zum Drehmomentausgleich. Der Rumpf (Fuselage) trägt Triebwerk, Getriebe (Gearbox), Rotormast und Cockpit. Die Power Transmission überträgt die Leistung vom Motor über die Hauptrotor-Welle zum Rotorkopf (Rotor Hub) und parallel via Heckrotorwelle zum Tail Rotor. Die Rotor Shaft Axis ist die Drehachse des Mastes; senkrecht dazu liegt die Rotor Disc – die gedachte Kreisfläche, welche die Blattspitzen im Umlauf beschreiben. Deren Inhalt heisst Rotor Disc Area und ist entscheidend für die Auftriebsleistung des Musters.
Heckrotor, Fenestron und NOTAR
Drei Konzepte gleichen das Drehmoment des Hauptrotors aus: Der klassische offene Heckrotor (z. B. R44, AS350), der ummantelte Fenestron als Mehrblatt-Fan im Heckausleger (z. B. EC120, H125 in neueren Varianten) und das NOTAR-System («No Tail Rotor»), das mit einem Coanda-Effekt-Strahl am Heckausleger und einem direkten Schubstrahl arbeitet. Fenestron und NOTAR sind leiser und reduzieren das Risiko von Bodenkontakten – relevant für lärmsensible Schweizer Gebirgslandeplätze und enge Heliports.
Triebwerke und Rotorblätter
EASA nennt zwei Triebwerksarten: Reciprocating Engines (Kolbenmotor, z. B. Lycoming im R44) und Turbo Shaft Engines (Wellenturbine, z. B. Arrius oder Arriel). Die Wellenturbine ist Standard für mittlere und schwere Muster. Beim Rotorkopf unterscheidet man den Teetering Rotor (Zweiblatt-System mit Schlaggelenk in der Mitte, typisch Robinson) von Rotoren mit drei oder mehr Blättern und individuellen Schlaggelenken (z. B. Cabri G2 mit drei Blättern). Das Fahrwerk ist entweder als Skid (Kufenlandegestell) oder als Wheel (Radfahrwerk) ausgeführt.
Helikopter-Achsen und Massenbegriffe
Drei Achsen verlaufen durch den Schwerpunkt: die Längsachse (Roll Axis, Rollen), die Querachse (Pitch Axis, Nicken) und die Hochachse (Normal oder Yaw Axis, Gieren). Die Fuselage Centre Line ist die geometrische Mittellinie des Rumpfs. Bei den Massen: Gross Mass und Gross Weight bezeichnen die Gesamtmasse beziehungsweise das Gesamtgewicht des Helikopters. Disc Loading ist Gross Weight geteilt durch Rotor Disc Area – ein Schlüsselwert, der direkt mit dem induzierten Strömungsbedarf und damit dem Leistungsbedarf im Schwebeflug zusammenhängt. Hohe Disc Loading bedeutet höhere induzierte Geschwindigkeit, mehr Leistungsbedarf und eine schnellere Sinkrate in Autorotation.
BAZL-Prüfungsrelevanz
Das BAZL prüft 080.11 als Definitionsfragen: Welche Komponente macht was, welcher Achse entspricht welche Bewegung, wie ist Disc Loading definiert? Die Fragen sind direkt und ohne Rechnung lösbar – wenn das Vokabular sitzt. Ein typisches Problem: Roll, Pitch und Yaw werden mit Längs-, Quer- und Hochachse verwechselt. Lerne die Begriffe paarweise und auf Englisch, weil die offizielle Prüfungssprache und alle Folgetopics auf diesem Wortschatz aufbauen.