Wolkenbildung und -beschreibung
Wolken entstehen, wenn feuchte Luft bis zum Taupunkt abgekühlt wird und Wasserdampf an Kondensationskernen kondensiert. Die zwei wichtigsten Abkühlungsmechanismen für die Wolkenbildung sind die adiabatische Expansion (Luftpaket steigt auf, dehnt sich aus, kühlt ab — trocken-adiabatisch mit rund 1 °C/100 m, feucht-adiabatisch mit ca. 0.6 °C/100 m) und die Advektion (warme feuchte Luft strömt über eine kältere Oberfläche).
Die WMO-Klassifikation unterscheidet zehn Wolkengattungen, gruppiert nach Stockwerk: hohe Wolken (Cirrus, Cirrocumulus, Cirrostratus), mittlere (Altocumulus, Altostratus, Nimbostratus) und tiefe (Stratocumulus, Stratus, Cumulus, Cumulonimbus). Für dich als Heli-Pilot besonders relevant: Cumulus und Cumulonimbus zeigen labile Schichtung mit Turbulenz und Vereisungsgefahr, Stratus signalisiert oft VFR-kritische Sichtbedingungen.
Inversionen wirken wie ein Deckel: Aufsteigende Luft kann die Inversionsschicht nicht durchstossen, die Wolkenbildung wird begrenzt. Typisches Beispiel im Schweizer Mittelland ist die winterliche Hochnebeldecke, die sich unter einer Subsidenzinversion festsetzt — oberhalb strahlender Sonnenschein in den Alpen, darunter graue Suppe bis Tage am Stück.
Nebel, Dunst und Trübung
Nebel ist definitionsgemäss eine bodenberührende Wolke mit Sichtweite unter 1000 m. Bei Sichten zwischen 1 und 5 km spricht man von Dunst (mist) bei hoher Feuchte beziehungsweise Trübung (haze) bei trockenen Aerosolen wie Staub oder Rauch. Die EASA verlangt, dass du fünf Nebelarten nach ihrer Entstehung unterscheiden kannst.
Strahlungsnebel entsteht in klaren, windstillen Nächten über Land: Der Boden kühlt durch langwellige Ausstrahlung stark ab, die bodennahe Luft erreicht den Taupunkt. Typisch im Schweizer Mittelland im Herbst, besonders in Flusstälern wie dem Reuss- oder Aaretal. Löst sich meist nach Sonnenaufgang auf — ausser eine Inversion hält ihn als Hochnebel.
Advektionsnebel bildet sich, wenn warme feuchte Luft über eine kalte Oberfläche strömt. Klassisch über kalten Seen oder im Winter über schneebedecktem Boden. Im Gegensatz zum Strahlungsnebel braucht er Wind und löst sich nicht einfach durch Sonneneinstrahlung auf.
Verdunstungsnebel (steaming fog) entsteht, wenn kalte Luft über warmes Wasser zieht — die Verdunstung sättigt die kalte Luft sofort. Im Schweizer Kontext im Frühwinter über noch ungefrorenen Seen wie dem Vierwaldstätter- oder Zürichsee zu beobachten.
Frontnebel tritt vor allem an Warmfronten auf: Regen aus der wärmeren Luft fällt durch die kältere Luft am Boden, verdunstet und sättigt sie.
Orografischer Nebel (hill fog) ist eine bodenberührende Stauwolke an Berghängen. Für dich als Alpenflieger der gefährlichste Typ: Du fliegst VFR durch ein Tal, der Wind drückt feuchte Luft über einen Pass, an der Luvseite hängt plötzlich der Hang im Nebel. Klassisches Föhn-Gegenszenario auf der Alpennordseite bei Nordstaulagen.
Relevanz für die BAZL-Prüfung
Erwarte direkte Wissensfragen zur Wolkenklassifikation (welche Gattung in welchem Stockwerk) und zu den Entstehungsmechanismen der fünf Nebelarten. Häufig sind Szenariofragen: gegebene Druck-, Wind- und Temperaturlage — welcher Nebel ist zu erwarten? Auch die Rolle von Inversionen bei der Hochnebelbildung ist ein Dauerbrenner. Verbinde dieses Wissen mit Topic 050.09 (Wetter in Gebirgsregionen), denn die Prüfung kombiniert gerne.