Beobachtungen: Woher die Wetterdaten kommen
Die Datenbasis jeder Vorhersage sind Beobachtungen. Bodenbeobachtungen (SYNOP, METAR) liefern Druck, Temperatur, Taupunkt, Wind, Sicht, Wolken und Wettererscheinungen — METAR typischerweise halbstündlich, SPECI bei signifikanten Änderungen. Radiosonden werden mit Wetterballonen aufgelassen und messen das Vertikalprofil von Temperatur, Feuchte und Wind bis in die Stratosphäre; in der Schweiz startet Payerne zweimal täglich (00 und 12 UTC). Satellitenbeobachtungen liefern global Wolkenbilder im sichtbaren und infraroten Spektrum. Wetterradar erfasst Niederschlag und dessen Intensität — in der Schweiz besonders wichtig wegen orografischer Niederschläge. Aircraft Observations (AIREP, PIREP, AMDAR) ergänzen die Daten dort, wo Bodenstationen fehlen, etwa über den Alpen oder dem Atlantik.
Wetterkarten lesen
Significant Weather Charts (SWC) zeigen für ein Zeitfenster Fronten, Jetstreams, Tropopausenhöhe, CB-Gebiete, Vereisung, Turbulenz und Wolkenobergrenzen — meist für Low-Level (bis FL100) oder Medium-Level Operationen. Surface Charts stellen die Bodenwetterlage mit Isobaren, Hoch- und Tiefdruckzentren sowie Frontensystemen dar; daraus liest du Druckgradient und damit die zu erwartende Windstärke. Symbole sind international standardisiert (WMO). Für VFR-Helikopterflüge in der Schweiz ist die Low-Level SWC kombiniert mit der GAFOR-Karte das wichtigste Werkzeug, um die Durchflugbarkeit alpiner Täler zu beurteilen.
Informationen für die Flugplanung
Vor jedem Flug nutzt du standardisierte Aviation Weather Messages: METAR (aktuell), TAF (Vorhersage 9-30 h für Flughäfen), GAFOR (Streckenwetter Schweiz), SIGMET (gefährliche Erscheinungen wie CB, schwere Vereisung, Vulkanasche), AIRMET (weniger schwerwiegend, für tiefe Höhen), GAMET (Gebietsvorhersage tiefe Höhen). Meteorological Broadcasts wie VOLMET liefern via Funk laufend METAR-Daten relevanter Flughäfen. Die Verwendung der Dokumente verlangt zeitliche und räumliche Zuordnung: Eine TAF deckt nur etwa 8 km um den Flughafen ab, ein GAFOR-Abschnitt ist genauer für Streckenwetter. Meteorologische Warnungen wie SIGMET sind bindend zu beachten — sie dürfen nicht ignoriert werden, auch wenn der Blick aus dem Fenster anders aussieht.
Meteorologische Dienste und WAFS
Das World Area Forecast System (WAFS) wird von zwei World Area Forecast Centres betrieben: London (UK Met Office) und Washington (NOAA/NWS). Sie produzieren globale Höhenwind-, Temperatur- und SIGWX-Karten für die Luftfahrt. Auf nationaler Ebene erbringt jeder ICAO-Staat den Met-Service über einen Meteorological Watch Office (MWO) — in der Schweiz ist das MeteoSchweiz. Aufgaben: Erstellung von TAF und METAR für die Schweizer Flughäfen, GAFOR, SIGMET/AIRMET für die FIR Switzerland, Pilot-Briefing-Unterlagen sowie die offizielle Flugwetterberatung. Über die Plattform skybriefing.com erhältst du als Pilot ein selbstgesteuertes Briefing inklusive NOTAM.
Prüfungsrelevanz
In der BAZL-Theorieprüfung Meteorologie tauchen regelmässig Fragen zu Gültigkeit, Quelle und Inhalt einzelner Wetterprodukte auf — typisch: "Welche Information findest du in einer SWC?", "Wer gibt SIGMET heraus?" oder "Wie alt darf ein METAR für die Flugentscheidung sein?". Wer die Systematik der Informationskette verstanden hat, kann auch unbekannte Fragen logisch ableiten, statt isolierte Definitionen auswendig zu lernen.