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Topic 010.05

Anhang 2: Luftverkehrsregeln

Anhang 2 zum Chicago-Abkommen ist das ICAO-Regelwerk, aus dem die weltweiten Luftverkehrsregeln (Rules of the Air) abgeleitet sind. Für dich als angehender Schweizer PPL(H)-Pilot ist dieser Stoff zentral: Er definiert, wer Vorflug hat, wann du nach VFR fliegen darfst, welche Lichter und Signale gelten und wie du dich verhältst, wenn dich ein Militärjet abfängt – kein theoretisches Szenario, sondern in der dicht überwachten Schweizer Luft durchaus realistisch, etwa rund um sensible Zonen oder das WEF in Davos. In der BAZL-Prüfung sind Fragen aus Anhang 2 ein Dauerbrenner, weil sie das Fundament für sicheres Verhalten im Luftraum bilden. Die Regeln gelten ergänzend zu SERA (Standardised European Rules of the Air) und werden in der Schweiz über das BAZL und die VVR umgesetzt. Wer Definitionen, Sichtflugminima und Vorflugregeln nicht sicher beherrscht, scheitert nicht nur in der Prüfung, sondern fliegt im Cockpit unsicher.

1 Sub-Topics, eingebettet in Luftrecht. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Wesentliche Definitionen und Anwendbarkeit

Anhang 2 beginnt mit Begriffen, die du im ganzen Luftrecht wiedersiehst: Aircraft, Pilot-in-Command, IFR/VFR flight, Controlled airspace, Cruising level, Visibility, Night. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Flight visibility und Ground visibility – letztere wird vom Flugplatz gemessen, erstere schätzt du aus dem Cockpit. Die Regeln gelten für alle Luftfahrzeuge mit Ausnahme von Staatsluftfahrzeugen, die eigenen Bestimmungen folgen. Über der Schweiz bist du als PPL(H) immer an Anhang 2, SERA und die nationalen Ergänzungen (VVR) gebunden – auch wenn du nur kurz die Grenze nach Deutschland oder Italien überfliegst, bleibt das ICAO-Grundgerüst identisch.

Allgemeine Regeln

Die General Rules decken Themen ab, die für jeden Flug gelten: Schutz von Personen und Sachen am Boden (keine fahrlässige Flugführung), Mindestflughöhen, Drop- und Sprayverbote ohne Bewilligung, sowie Vorflugregeln. Kernpunkte für Heli-Piloten: Du musst Hindernissen ausweichen, Luftfahrzeuge auf gleicher Höhe weichen rechts aus, der überholende weicht aus, und Ballone haben Vorflug vor Segelflugzeugen, diese vor Motorflugzeugen. Helikopter sind in dieser Hierarchie wie Motorflugzeuge zu behandeln. Beim Start und Landung haben Luftfahrzeuge in tieferer Höhe Vorrang – wichtig im gemischten Verkehr auf Plätzen wie Grenchen oder Birrfeld.

Sichtflugregeln (VFR)

VFR-Minima variieren je nach Luftraumklasse und Flughöhe. Über FL100 brauchst du 8 km Sicht und grössere Wolkenabstände, darunter 5 km (bzw. 1500 m horizontal / 300 m vertikal Wolkenabstand in den meisten kontrollierten Räumen). In Klasse G unter 3000 ft AMSL bzw. 1000 ft AGL reichen 1500 m Sicht und clear of cloud mit Sicht auf den Boden – für Helikopter sogar 800 m bei reduzierter Geschwindigkeit. Diese Helikopter-Erleichterung ist im Schweizer Alpenraum praxisrelevant, wenn lokale Föhnlagen die Sicht drücken. VFR-Nacht und Spezial-VFR sind separat geregelt.

Signale und Abfangen

Anhang 2 listet die visuellen Signale für interception präzise: Das abfangende Luftfahrzeug positioniert sich links voraus und wackelt mit den Flügeln – du folgst, indem du ebenfalls wackelst und der Anweisung folgst. Bei Funkausfall gibt es definierte Signale via Landescheinwerfer und Positionsleuchten. Ebenfalls in Anhang 2 geregelt: Bodensignale auf Flugplätzen (Signalfeld), Notsignale, Lichter zur Kollisionsverhütung. Diese Signale musst du auswendig kennen – sie sind in der BAZL-Prüfung häufig in Bildform abgefragt.

Prüfungsrelevanz

Anhang 2 ist ein Hauptlieferant für Fragen im Fach 010. Erwartet werden vor allem: Definitionen wörtlich kennen, VFR-Minima korrekt zuordnen, Vorflugregeln anwenden und Abfangsignale identifizieren. Lerne die Tabellen und Signale visuell – die FSRS-Wiederholung im PPLH-Trainer ist dafür ideal.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Welche VMC-Minima gelten für VFR-Flüge in Luftraum G bei oder unterhalb 3000 ft AMSL bzw. 1000 ft über Grund (der höhere Wert gilt) bei IAS bis 140 kt?

Flugsicht mindestens 1500 m, frei von Wolken und mit Sicht zur Erdoberfläche.

In tiefen Lufträumen erlaubt SERA reduzierte Sichtminima, da der Pilot bei niedriger Geschwindigkeit und mit Bodensicht Hindernissen und anderem Verkehr rechtzeitig ausweichen kann. Diese Erleichterung gilt nur kumulativ: tief (≤3000 ft AMSL oder ≤1000 ft AGL, je nachdem was höher ist), langsam (≤140 kt IAS), Bodensicht und frei von Wolken.

Welche minimale Flugsicht und welcher Wolkenabstand gelten für VFR-Flüge in Luftraum C, D und E auf oder oberhalb 3000 ft AMSL bzw. 1000 ft über Grund?

Flugsicht 5 km unter FL100 (8 km ab FL100), horizontaler Wolkenabstand 1500 m, vertikaler Wolkenabstand 1000 ft (300 m).

Diese Werte stellen sicher, dass du Wolken rechtzeitig erkennst und Kollisionen mit IFR-Verkehr, der aus Wolken auftauchen kann, vermieden werden. Der Sprung auf 8 km Sicht ab FL100 berücksichtigt die höheren Geschwindigkeiten in dieser Höhe.

Welche Mindestflughöhe gilt nach VFR über dicht besiedelten Gebieten oder Menschenansammlungen?

Mindestens 1000 ft (300 m) über dem höchsten Hindernis innerhalb eines Radius von 600 m um das Luftfahrzeug.

Diese Höhe gibt im Notfall genug Zeit für einen Sicherheitslandung ausserhalb der bewohnten Zone und schützt Personen am Boden vor Lärm und Risiko.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Was regelt ICAO Annex 2 genau?

Anhang 2 zum Chicago-Abkommen enthält die *Rules of the Air* – die internationalen Luftverkehrsregeln. Geregelt sind Definitionen, allgemeine Verhaltensregeln im Luftraum, Sichtflug- und Instrumentenflugregeln, Vorflugregeln, Mindestflughöhen, Signale sowie das Verhalten beim Abfangen durch Militärluftfahrzeuge. In Europa wird Anhang 2 durch SERA (Verordnung EU 923/2012) umgesetzt und in der Schweiz durch die VVR ergänzt. Für PPL(H)-Piloten ist es die Grundlage jeder operativen Entscheidung im Cockpit.

Gelten für Helikopter eigene VFR-Minima?

Ja. In Klasse G unter 3000 ft AMSL bzw. 1000 ft über Grund dürfen Helikopter mit einer Flugsicht von 800 m operieren, sofern sie mit einer Geschwindigkeit fliegen, die ein rechtzeitiges Erkennen anderer Luftfahrzeuge oder Hindernisse erlaubt. Voraussetzung ist *clear of cloud* und Sicht auf den Boden. Diese Erleichterung gegenüber Motorflugzeugen (1500 m) ist im Schweizer Alpenraum bei Talflügen und Rettungseinsätzen praxisrelevant, sollte aber nicht als Standardminimum verstanden werden.

Was bedeutet 'Wing rocking' beim Abfangen?

Wenn dich ein militärisches Abfangluftfahrzeug auffordert, ihm zu folgen, wackelt es mit den Flügeln (*wing rocking*) und positioniert sich leicht links voraus. Du quittierst, indem du ebenfalls mit den Flügeln wackelst (beim Helikopter analog mit Nick- oder Rollbewegungen) und der Anweisung folgst. Stelle wenn möglich Funkkontakt auf 121.5 MHz her und squawke 7700. Diese Signale sind in Anhang 2 Appendix 1 standardisiert und müssen weltweit identisch befolgt werden.

Welche Vorflugregeln gelten bei Begegnung zweier Helikopter?

Bei Begegnungen auf annähernd gleicher Höhe gelten die allgemeinen Vorflugregeln. Bei entgegenkommendem Verkehr weichen beide nach rechts aus. Bei kreuzenden Kursen hat das Luftfahrzeug von rechts Vorflug. Der überholende Helikopter weicht stets nach rechts aus und muss Abstand halten, bis er klar voraus ist. Beim Anflug zur Landung hat das tiefer fliegende Luftfahrzeug Vorrang – es darf aber nicht ausnutzen, um vor einem im Endanflug befindlichen Flugzeug einzuscheren.

Wie wichtig ist Anhang 2 in der BAZL-Theorieprüfung?

Sehr wichtig. Im Fach 010 Luftrecht stammt ein bedeutender Anteil der Fragen direkt oder indirekt aus Anhang 2 – insbesondere VFR-Minima-Tabellen, Vorflugregeln und Signale (Boden-, Licht- und Abfangsignale). Die Fragen sind oft sehr präzise formuliert und verlangen exaktes Wissen, etwa Wolkenabstände in spezifischen Höhen oder die korrekte Reaktion auf ein abfangendes Luftfahrzeug. Konsequente Wiederholung mit Spaced-Repetition (FSRS) ist hier der effizienteste Lernweg.

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