Definition: Notlandung vs. Ausweichlandung
Eine Notlandung (Emergency Landing) ist eine sofortige Landung, weil ein Weiterflug nicht mehr möglich oder unsicher wäre – typisch nach Triebwerksausfall, Brand oder schwerem Systemausfall. Du landest dort, wo es geht, nicht wo du willst. Eine Ausweichlandung (Precautionary Landing) ist dagegen eine geplante, vorsorgliche Landung, weil sich ein Problem abzeichnet: nachlassende Sichten, sinkende Kraftstoffreserve, leichte technische Auffälligkeit, gesundheitliches Problem an Bord. Du wählst aktiv einen geeigneten Platz, fliegst eine kontrollierte Recce und landest normal. Im Helikopter ist die Ausweichlandung ein mächtiges Werkzeug – nutze sie früh, statt dich in eine Notlage hineinzufliegen. Im alpinen Raum gilt das doppelt: lieber im Tal warten, als bei aufziehendem Föhn ins Hochgebirge.
Ursachen
Die Ursachen für eine Not- oder Ausweichlandung sind vielfältig. Technisch: Triebwerksausfall (Autorotation), Getriebe- oder Heckrotor-Probleme, Hydraulikausfall, elektrische Defekte, Vibrationen, Rauch oder Feuer, Treibstoffsystem. Meteorologisch: unvorhergesehene Wetterverschlechterung, IMC-Einflug, starke Turbulenz, Vereisung, Gewitter. Menschlich/Medizinisch: Pilot Incapacitation, Erkrankung eines Passagiers, Erschöpfung. Operationell: Treibstoff knapper als geplant, Navigationsverlust, einbrechende Dunkelheit. In der Schweiz sind wetterbedingte Ausweichlandungen besonders häufig – die rasche Bildung von Quellwolken über Alpenpässen oder Föhnmauern kann VFR-Flüge in Minuten unmöglich machen. Erkenne die Ursache richtig, denn sie bestimmt die Dringlichkeit: ein Feuer verträgt keine Sekunde Zögern, eine sinkende Vis erlaubt eine geordnete Platzwahl.
Passagierinformation
Die Passagiere müssen rechtzeitig, ruhig und klar gebrieft werden. Bei der Ausweichlandung hast du Zeit: erkläre kurz, was du tust und warum, was sie tun sollen (Gurte fest, Gegenstände sichern, Brace-Position falls nötig, Türen nach der Landung nicht selbst öffnen). Bei der Notlandung ist die Information kurz und befehlend: «Brace! Brace! Brace!» oder ein vorher gebrieftes Kommando. Das ursprüngliche Passenger-Briefing vor dem Flug zahlt sich hier aus – wer schon weiss, wo der Notausgang ist, wo das ELT/PLB liegt und wie der Gurt geöffnet wird, reagiert in der Stresssituation richtig. Sprich laut, deutlich, in einer Sprache, die alle verstehen. Panik ist der grösste Feind einer geordneten Evakuierung.
Evakuierung
Nach dem Aufsetzen gilt: Rotor stoppen, bevor jemand aussteigt. Auslaufende Hauptrotorblätter, vor allem im Coning bei unebenem Boden, sind tödlich. Erst wenn der Rotor steht (oder bei Feuer/Kentern: so schnell wie möglich, geduckt, weg vom Heckrotor), Passagiere zum Ausstieg auffordern. Sammelpunkt vor dem Helikopter im Sichtfeld des Piloten, in sicherer Distanz, niemals bergauf bei Hanglage (Rotor!). Bei Wasserlandung: Türen sofort öffnen oder abwerfen, bevor der Heli kentert, Schwimmwesten erst ausserhalb der Kabine aufblasen. Bei Feuer: schnellstmöglich raus, gegen den Wind weg. Zähle die Passagiere am Sammelpunkt – jemand vergessen ist im Stress real.
Massnahmen nach der Landung
Nach erfolgter Landung und Evakuierung: Helikopter sichern – Treibstoffhahn zu, Batterie aus, Magnete aus, um Brandgefahr zu reduzieren. Verletzte versorgen und Erste Hilfe leisten. Alarmierung: in der Schweiz REGA (1414) oder Notruf 112, bei kontrolliertem Flug zusätzlich ATC informieren, ELT prüfen (manuell aktivieren falls nötig). Position bestimmen und durchgeben (Koordinaten, markante Punkte). Standort halten – wegzulaufen ist fast immer schlechter, als bei der gut sichtbaren Maschine zu bleiben. Den Unfall/Vorfall melden an BAZL/SUST gemäss Meldepflicht, Sachverhalt dokumentieren, Zeugen notieren. Den Helikopter erst nach Freigabe durch die Untersuchungsbehörde bewegen.
Prüfungsrelevanz
Das BAZL prüft in 070.07 sowohl Definitionen (Abgrenzung Emergency vs. Precautionary) als auch die richtige Handlungsreihenfolge nach der Landung. Typische Fallen: Reihenfolge Evakuierung – Rotor – Treibstoff, Sammelpunkt-Position, Alarmierungskette. Wer die Logik «Menschen zuerst, dann Maschine, dann Meldung» verinnerlicht hat, beantwortet die meisten Fragen korrekt.