Vergaserbrand
Ein Vergaserbrand entsteht typischerweise beim Anlassen eines Kolbentriebwerks, wenn überschüssiges Gemisch im Ansaugtrakt gezündet wird – häufig nach mehrfachem erfolglosem Startversuch oder bei zu starkem Primen. Die Standardreaktion: Anlasser weiter betätigen, damit das brennende Gemisch in die Zylinder gesaugt wird, Gemisch auf ICO (Idle Cut-Off), Treibstoffhahn schliessen. Springt der Motor an, lasse ihn kurz laufen, um das Feuer auszubrennen. Gelingt das nicht, sofort abstellen, aussteigen und mit dem Feuerlöscher von aussen in den Lufteinlass löschen. Beim Robinson R22 oder R44 – den in der Schweizer PPL(H)-Ausbildung dominanten Mustern – ist dieses Verfahren Pflichtwissen im Notverfahren-Teil des POH.
Triebwerksbrand
Ein Triebwerksbrand im Flug erfordert sofortige Landung. Die generische Reihenfolge: Treibstoffhahn zu, Gemisch auf ICO, Heizung und Kabinenluft schliessen (damit kein Rauch und keine giftigen Gase ins Cockpit gelangen), Master und Magnete nach der Landung aus. Versuche nicht, das Triebwerk wieder zu starten. Bei einer Turbine ist das spezifische Notverfahren des Musters massgebend – in der Regel mit Fuel Shut-Off und gegebenenfalls fest installiertem Feuerlöschsystem. Im Heli hast du den Vorteil, dass eine Autorotation jederzeit möglich ist und du fast überall aufsetzen kannst. Im alpinen Gelände solltest du dennoch frühzeitig auf geeignetes Terrain hinsteuern – Geröll, Schneefelder oder Almwiesen sind brauchbare Optionen.
Brand in Kabine und Cockpit – Löschmittel und Feuerlöscher
Die Wahl des Löschmittels richtet sich nach der Brandklasse: Klasse A (feste Stoffe wie Polster, Papier), Klasse B (brennbare Flüssigkeiten wie Treibstoff, Öl), Klasse C (Gase) und elektrische Brände. In Luftfahrzeugen sind Halon-Löscher (oder die modernen Halon-Ersatzstoffe wie Halotron) Standard, weil sie alle relevanten Klassen abdecken, rückstandsfrei wirken und Elektronik nicht zerstören. Wasserlöscher sind im Cockpit tabu – bei elektrischen Bränden lebensgefährlich. Vor dem Einsatz: elektrische Verbraucher abschalten (Master off bei reinem Elektrobrand nach gesicherter Steuerung), Löscher senkrecht halten, kurze Stösse auf den Brandherd – nicht in die Flammen. Nach dem Einsatz Kabine gründlich belüften, da Halon-Zersetzungsprodukte toxisch sind.
Rauch im Cockpit und in der Kabine
Rauch ist oft gefährlicher als das Feuer selbst: CO, CO₂ und Pyrolyse-Produkte aus Kunststoff (Cyanide, Phosgen) führen rasch zu Bewusstlosigkeit. Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen und Reizung der Atemwege. Massnahmen: Sauerstoffquelle identifizieren (Heizung, Avionik, Elektrik), entsprechenden Stromkreis trennen, Frischluft maximieren (Lüftung auf, Türen oder Fenster falls Muster-zulässig und Geschwindigkeit es erlaubt teilweise öffnen), tief im Sitz halten – Rauch steigt nach oben. Wenn du in der Schweiz im Winter mit Heizung fliegst und einen Ölgeruch wahrnimmst, besteht Verdacht auf eine defekte Wärmetauscher-Dichtung mit CO-Eintritt – Heizung sofort aus, landen, CO-Detektor prüfen.
Prüfungsrelevanz
In der BAZL-Theorieprüfung 070 werden Notverfahren-Fragen zu Brandbekämpfung regelmässig geprüft, oft als Multiple-Choice mit Fokus auf die korrekte Reihenfolge der Memory-Items. Du musst wissen, welches Löschmittel zu welcher Brandklasse passt, warum Halon im Cockpit erlaubt ist und welche physiologischen Effekte Rauch auslöst. Diese Inhalte tauchen zudem im praktischen Skill-Test als mündliche Frage auf.