Zweck der Masse- und Schwerpunktbetrachtungen
Masselimits existieren aus zwei Gründen: strukturell und leistungsbezogen. Strukturelle Limits schützen die Zelle, das Fahrwerk und vor allem den Rotormast vor Überlastung. Leistungsbezogene Limits stellen sicher, dass der Helikopter unter den gegebenen Bedingungen (Dichtehöhe, Wind, Temperatur) noch ausreichend Leistungsreserven hat – z. B. um einen OGE-Hover zu halten oder nach einem Triebwerksausfall sicher zu landen. Im Hochgebirge kann das performance-limitierte MTOM deutlich tiefer liegen als das strukturelle MTOM.
CG-Grenzen: Stabilität und Steuerbarkeit
Der Schwerpunkt muss innerhalb eines definierten Envelopes liegen. Ein zu weit vorne liegender CG kann dazu führen, dass im Schwebeflug bei Rückenwind die zyklische Steuerung nicht mehr ausreicht, um die Nase zu heben. Ein zu weit hinten liegender CG verschlechtert das Stabilitätsverhalten und kann beim Autorotationseintritt kritisch werden. Auch laterale CG-Limits sind beim Helikopter relevant – speziell bei einseitig beladenen externen Lasten.
Terminologie: Masse- und Treibstoffbegriffe
Du musst die Begriffe sauber unterscheiden: BEM (Basic Empty Mass) inkl. unverbrauchbarer Treibstoff und Betriebsstoffe, DOM (Dry Operating Mass), ZFM (Zero Fuel Mass), TOM (Take-off Mass) und LM (Landing Mass). Beim Treibstoff: Block Fuel, Trip Fuel, Reserve Fuel, Usable und Unusable Fuel.
Massegrenzen und Gepäckraumlimits
Neben MTOM gibt es Limits für jeden Gepäckraum (oft in kg, manchmal zusätzlich als Moment-Limit). Bei vielen Helikoptern – z. B. R44 – ist der hintere Gepäckraum zusätzlich strukturell auf wenige Kilogramm beschränkt, unabhängig davon, ob noch MTOM-Reserve vorhanden wäre.
Masseberechnungen und Standardmassen
Für kommerzielle Operationen existieren Standardmassen für Passagiere und Gepäck. Für die private PPL(H)-Operation rechnest du in der Regel mit den tatsächlichen Gewichten – im Helikopter zählt jedes Kilo. Maximale Startmasse und maximale Landemasse können sich unterscheiden, beim typischen Schulungshelikopter sind sie meist identisch.
Grundlagen der CG-Berechnung
Der Schwerpunkt ist der Punkt, an dem die Summe aller Momente null ist. Berechnet wird er als Summe der Momente (Masse × Hebelarm) geteilt durch die Gesamtmasse. Gleichgewicht bedeutet: Summe der Kräfte = 0 und Summe der Momente = 0.
M&B-Dokumentation: Datum und Hebelarm
Jeder Helikopter hat einen herstellerdefinierten Bezugspunkt (Datum) – beim R44 z. B. ein Punkt vor der Nase. Alle Hebelarme werden als Abstand vom Datum angegeben (in Inches oder mm). Die CG-Position wird ebenfalls als Abstand vom Datum berechnet.
BEM und Abweichungen vom Standard
Die aktuelle BEM und die zugehörige CG-Position findest du im Weight & Balance Report des individuellen Helikopters. Nach jeder Modifikation (z. B. Einbau Floats, neue Avionik) wird das Dokument aktualisiert.
Rechen- und grafische Methode
Zwei Verfahren sind prüfungsrelevant: das arithmetische Verfahren (Tabelle mit Masse × Arm = Moment, Summe bilden, dividieren) und das grafische Verfahren mit Moment-Diagrammen. Beide führen zum gleichen Ergebnis.
Lade- und Trimmblatt
Das Load Sheet listet alle Massen mit ihren Hebelarmen auf, das Ergebnis wird im CG-Envelope eingetragen. Liegt der Punkt sowohl für Start- als auch für Landemasse innerhalb des Envelopes, ist die Beladung zulässig.
In der BAZL-Prüfung erwarten dich zu diesem Topic typischerweise mehrere Rechenaufgaben – sauber rechnen, Einheiten konsistent halten, immer Start- und Landeschwerpunkt prüfen.